Warum gilt das Angebot der Mammografie gerade für Frauen von 50 bis 69 Jahren?
Es ist wissenschaftlich begründet, dass in dieser Altersspanne die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, an Brustkrebs zu erkranken. Bei jüngeren Frauen ist das Brustgewebe noch fester und dichter, sodass die Mammografie im Vergleich Nutzen/Risiko nicht ausreichend optimal ist. Außerdem ist es statistisch bewiesen, dass das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, bei Frauen über 70 immer weiter abnimmt. Hier gelten andere schwerwiegende Krankheiten, zum Beispiel ein Herzinfarkt, als häufiger auftretende Todesursachen. Deshalb haben sich auch andere Länder, die ein Mammografie Screening anbieten, für diesen Zeitraum entschieden.

Was tun Sie bei Frauen, die trotz wiederholter Einladung nicht an einer Mammografie teilnehmen möchten?
Das ist ein schwieriges Thema, denn oftmals wissen wir nicht, warum diese Frauen das Programm ablehnen. Das sind meistens Frauen, die noch nie an einer Untersuchung teilgenommen haben. Da versuchen wir, mit Hilfe von Mammobilen eine wohnortnahe Untersuchung zu ermöglichen. Es ist auch ein kleiner Film für Brandenburg geplant, der die Möglichkeiten der Mammografie aufzeigt und in regionalen Medien ausgestrahlt werden soll. Allerdings nehmen im Schnitt 60 Prozent der eingeladenen Frauen teil.

Welche Risiken gibt es bei der Mammografie?
Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. In einigen Fällen kann ein Tumor zum Beispiel nicht als solcher erkannt werden. Andere haben auch Bedenken wegen der Strahlenbelastung. Da können wir sie nur beruhigen, denn unsere Geräte sind von der neuesten Generation und werden den regelmäßig vorgeschriebenen Prüfungen unterzogen. Damit werden die sonst in der Mammografie bekannten Strahlendosen erheblich minimiert. Wieder andere Frauen haben Angst, dass durch das Zusammendrücken der Brust mehr Schaden als Nutzen entsteht. Dieses Drücken ist leider notwendig, kann unangenehm und für manche auch schmerzhaft sein, aber es ist nicht schädlich.

Warum ist es wichtig, dass Frauen regelmäßig die Möglichkeiten der Früherkennung nutzen?
Es ist wie bei jeder Früherkennung - je eher die Krankheit erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Das heißt konkret: Gehen Frauen regelmäßig zur Früherkennung, können Tumore bereits in einem frühen bis sehr frühen Stadium erkannt werden. Viele davon werden in Millimeter-Größe entdeckt. Außerdem bin ich der Meinung, dass man nur einen Körper hat, den man pflegen muss und daher alle gebotenen Möglichkeiten ausschöpfen sollte. Das erspart manchmal langwierige Behandlungswege oder Schmerzen.

Was kann man, neben der Mammographie, noch für die Früherkennung von Brustkrebs tun?
Wichtig ist auch, regelmäßig zum Frauenarzt zu gehen. Dort werden Frauen ab 30 Jahren auf Veränderungen und Knötchen durch das Abtasten der Brust untersucht. Viele Gynäkologen führen diese Untersuchung bereits bei jüngeren Frauen durch. Auch das Selbstabtasten der Brust ist sinnvoll.

Wie kann man Brustkrebs vorbeugen?
Kann man nicht. Aber man kann einige Sachen beachten, um das Brustkrebsrisiko ein wenig zu minimieren. So sollte man beispielsweise das Rauchen vermeiden und nicht zu viel Alkohol trinken. Auch ausreichend Bewegung an der frischen Luft und Sport sind Faktoren, die das Risiko verringern können.

Welche Therapiemöglichkeiten für Brustkrebs gibt es?
Wird ein Tumor festgestellt, versuchen wir, möglichst schnell zu handeln. Meist werden - in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Frauenarzt - die bösartigen Zellen in einer Operation entfernt. Die Frauen können sich bei Bedarf auch eine zweite Meinung einholen oder das Krankenhaus selbst wählen, in dem die Operation stattfinden soll. Es gibt spezielle Brustzentren, die auf solche Eingriffe spezialisiert sind. Wir arbeiten beispielsweise mit den zertifizierten Brustzentren Frankfurt (Oder), Bad Saarow oder Torgau sowie mit den regionalen Krankenhäusern Elbe-Elster-Klinikum, Cottbus und Spremberg eng zusammen. Da bekommt jede Frau eine speziell auf sie zugeschnittene Therapie. Und lassen Sie mich noch ergänzen: Brustkrebs ist heute meist heilbar.

Mit Katharina Maak sprach

Anja Brautschek