Am ersten Weihnachtsfeiertag zieht der Stifter des Klosters, Kaiser Karl IV., samt seinem Gefolge bereits zum zwölften Mal auf seine einstige Residenz.
Entstanden ist die Idee vom weihnachtlichen Kaiserzug bereits 1993. Damals schlüpfte der Oybiner Arnim Schüller zum ersten Mal in die kaiserliche Robe, um dem Burghauptmann zum Geburtstag eine kleine Überraschung zu bereiten. "Man sagt mir nach, dass ich ein paar Ähnlichkeiten mit dem Monarchen habe", lacht der Ersatz-Kaiser, der wohl mit seinem Auftritt begeisterte. Der Gedanke wurde deshalb weitergesponnen - und so entwickelte sich langsam das Spektakel nach dem Heiligabend. "Wir haben die Kaiserweihnacht auf den 25. Dezember gelegt, weil viele Besucher in der Region sind und gleichzeitig nicht viel kulturell geboten wird", sagt Elke Manke. Zu diesen Überlegungen gab außerdem einen konkreten historischen Hintergrund.
Laut Überlieferung weilte Kaiser Karl IV., der von 1346 bis 1378 regierte, am 25. Dezember 1369 auf dem Oybin. Die dort ansässigen Mönche hatten ihn um Beistand gebeten. Wegen des Baus und Unterhalts des Klosters gab es Zwist mit der Stadt Zittau. Der Kaiser soll zugunsten seiner Cölistiner den Streit geschlichtet haben.
"Eine Originalquelle kann ich zwar nicht nachweisen. Für die Theorie aber spricht, dass er nach diesem Datum in Zittau war und beurkundet hat. Dies wiederum geht aus seinen überlieferten Streckenbeschreibungen hervor", sagt die Mitarbeiterin der Tourist-Information.
Fakt ist auf jeden Fall, dass die Majestät von heute gemeinsam mit seiner Gemahlin Elisabeth, drei Prinzessinnen, Ritter Kunibert und dem Gefolge pünktlich um 14 Uhr mit der Kutsche in Oybin vorfahren wird. "Auf den Pferdeschlitten müssen wir wohl in diesem Jahr verzichten", bedauert Schüller. Nachdem das Volk die rund 60 Mitwirkenden begrüßt hat, geht es gemeinsam zur Vorburg des Klosters. Dort wird das Kaiserpaar durch die Burgherrschaft und den Prior des Klosters mit einem Stärkungstrunk willkommen geheißen. "Man fühlt sich richtig in die mittelalterliche Zeit zurückversetzt", sagt der Pensionär. An der Zeremonie nehmen 500 bis 800 Zuschauer teil. Sie endet in der Klosterruine, wo der Urlauberpfarrer Johannes Johne die Weihnachtsbotschaft verkündet.
Mit richtig rotgefrorenen Nasen rechnet Schüller in diesem Jahr nicht, auch nicht mit Blitzeis und mit hüfthohem Schnee. "Wir haben die Kaiserweihnacht schon bei gefühlten 20 Grad und bei schlimmen Wetterkapriolen gefeiert", sagt Elke Manke. Aber ausgefallen sei das Fest für die Urlauber noch nie. Für die Macher des Kaiserzugs gilt trotzdem: warm Anziehen und majestätisch Winken. Und am zweiten Feiertag stehe bei ihm dann auch die Entenbraten mit Rotkraut auf dem Tisch, versichert die kaiserliche Hoheit.