Die Forderung orientiert sich am Tarifabschluss, der 2008 beim Bund und den Kommunen erzielt wurde. Es geht also um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, und das nach jahrelanger sehr zurückhaltender Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst. Das geht nicht nur Lehrern so … Sicher. Aber es geht uns auch um die Eingruppierung von Lehrern, um endlich wieder zu bundesweit einheitlichen Regelungen zu kommen. Nur so können wir der Abwerbung von Lehrern durch finanzkräftigere Bundesländer begegnen, zumal die Kollegen in Sachsen keine Beamten sind, sondern Arbeitnehmer. Gute Lehrer hier zu halten, dürfte im Interesse der Eltern und Kinder liegen. Haben Sie nicht die Sorge, dass höhere Löhne finanzielle Staatslasten für jene jungen Leute auftürmen, die im Klassenzimmer vor Ihnen sitzen? Wer momentan die Staatskassen belastet, ist ja wohl klar. Im Vergleich zu den Milliarden, die plötzlich in "Rettungsschirme" für Banken und Unternehmen fließen, die durch Misswirtschaft und Spekulation an den Rand des Ruins getrieben wurden, sind die Lohnforderungen der Polizisten, Feuerwehrleute, Sekretärinnen und Lehrer sehr bescheiden. Die Steuermehreinnahmen für die Länder lagen im vorigen Jahr bei 8,5 Milliarden. Die Lohnerhöhung wäre damit problemlos zu bezahlen. Ohnehin sind unsere Einkommen nicht einfach Kosten, sondern Investitionen in die Bildung von Kindern und Jugendlichen. Und die Binnennachfrage wird auch gestärkt. Wäre den Lehrern nicht mehr gedient, wenn mit dem Geld Arbeitsbedingungen verbessert würden? Unsere Forderung nach einer Reduzierung der Regelstunden liegt seit langem auf dem Tisch. Wenn sie endlich erfüllt würde, wäre mehr Zeit für Vor- und Nachbereitung des Unterrichtes. Diese Themen sind aber hier in Sachsen zu klären, nicht in einer bundesweiten Tarifrunde. Jetzt geht es um die Lohnentwicklung und die Eingruppierung der Kollegen. Wie groß ist die Resonanz auf den Streik, wie viele Schulen oder Lehrer wollen sich beteiligen? Die Resonanz ist außerordentlich groß. Schon am ersten Streiktag, der seinen Schwerpunkt in den drei größten Städten hat, werden Lehrer an 80 Prozent der dortigen Schulen die Arbeit niederlegen. Am Mittwoch rechnen wir landesweit mit einer Beteiligung von bis zu 70 Prozent der Schulen. Der Freistaat bekommt damit auch die Rechnung für seine restriktive Personalpolitik serviert. Lehrer, die teilweise seit 1992 in Teilzeit beschäftigt sind, haben ein besonderes Interesse an besserer Bezahlung. Wie wird der Schulalltag an den Streiktagen abgesichert? Wenn Lehrer streiken, ist natürlich der Schulbetrieb betroffen, genauso wie der Zugverkehr betroffen ist, wenn die Eisenbahner streiken. Es findet kein regulärer Unterricht statt. Wir haben die Eltern um Verständnis gebeten und erhalten überwiegend positive Reaktionen. Insbesondere für Grund- und Förderschüler haben wir einen Notdienst angeboten. Wie weit würden Sie im Arbeitskampf noch gehen? Lehrerinnen und Lehrer wollen lieber unterrichten als streiken. Wenn die Arbeitgeberseite weitere Arbeitsniederlegungen verhindern will, muss sie am 14. Februar ein verhandelbares Angebot vorlegen. Sonst sind weitere Streikaktionen nicht ausgeschlossen. Mit Sabine Gerold sprach Sven Heitkamp