Herr Lösche, wie ist der anhaltende Mitgliederschwund in den großen Parteien zu erklären?

Generell geht er zurück auf die Überalterung der Parteien. Das heißt, den Parteien rennen nicht die Mitglieder weg, sondern sie sterben ihnen weg. Für die neuen Bundesländer gilt das nicht so stark. Aber hier sind die Mitgliederzahlen auch extrem niedrig. Insofern macht es schon etwas aus, wenn etwa aus Verärgerung jemand austritt.

Wird das Volk überhaupt noch repräsentativ abgebildet?

Das ist ein Problem. Die Parteien müssen versuchen, Mitglieder und Sympathisanten an sich zu binden. Das können sie nur durch Inhalte, die die Parteien vertreten. Es war übrigens nie so, dass die Parteien spiegelbildlich das Volk wiedergegeben haben. Hier hat sich immer ein Stück politische Elite versammelt. Insofern spielen Parteien nach wie vor eine große Rolle, wenn sie im Namen des Volkes sprechen. Allerdings nimmt ihre Legitimation ab.

Ist die Piratenpartei ein Phänomen oder entspricht sie dem Zeitgeist?

Es ist schon ein Stück Zeitgeist. Ähnlich jener Periode, als sich die Grünen zur Partei entwickelt haben.

Und wie schätzen Sie deren politische Zukunft ein?

Bei den Piraten hängt es nur davon ab, wie sie in den Parlamenten agieren. Wie verantwortlich sie mit ihrem Mandat umgehen. Und ob sie sich zu einer Partei entwickeln, die relativ breit programmatisch angelegt ist. Oder, ob sie sich wie rechtsextremistische Parteien in den Gremien zerstreiten. Ich gebe der Piratenpartei aber durchaus eine Chance, wenn sie erfolgreich im Abgeordnetenhaus von Berlin arbeitet.

Leidet die Demokratie bereits unter dem Mitgliederschwund?

Noch ist das alles zu kompensieren. Die beiden großen Volksparteien SPD und CDU werden aber weiter Mitglieder verlieren. Es ist zu hoffen, dass es ihnen gelingen wird, Sympathisanten an sich zu binden und diese auch zu Mitgliedern zu machen.

Mit Peter Lösche sprach

Christian Taubert