Es gibt Äpfel und Kakao, verteilt von Thomas Freyer und Cornelius Schröder aus dem Vorstand des Vereins "Zukunft braucht Schule”, der gestern seine landesweite Aktionswoche gegen Schulschließungen gestartet hat. Bis Sonnabend will die Initiative an 100 Ständen vor Schulen und Geschäften im Freistaat Unterschriften sammeln, um den Volksantrag "Kurze Wege für kurze Beine" in den Landtag zu bringen.
Die Dresdner Mittelschule in der Urnenstraße gehört zu jenen landesweit 31 Standorten, die diesen Sommer schließen müssen, darunter vier Grundschulen, sieben Gymnasien und 20 Mittelschulen. Die Anmeldungen reichten einfach nicht aus. Dabei habe die Schule gerade neue Chemie- und Informatikräume erhalten, zudem sei das 100 Jahre alte Jugendstilhaus noch saniert worden, sagt der Hausmeister.
Für den Volksantrag wird jedoch die Zeit knapp. Bis Ende April müssen 40 000 amtlich korrekte Unterschriften gesammelt werden, dann endet die Jahresfrist. Doch mehr als 7000 Namenszüge fehlen noch. "Wir sind trotzdem zuversichtlich", sagt Andrea Roth von der Linkspartei, die die Aktion unterstützt. Doch die Aussichten sind nicht rosig. 2003 war ein Volksbegehren zur Rettung von Schulen - für das 400 000 Unterschriften nötig waren, das aber Rechtskraft hätte - gescheitert. Diesmal fehlen zudem Bündnispartner wie die SPD, die Gewerkschaften und die Grünen.
Doch die Initiative kämpft weiter. "Seit 1992 sind in Sachsen schon 1300 Schulen geschlossen worden, jetzt muss Schluss sein", sagt Roth. Dabei drohe dieser Tage vielen neuen Standorten das Aus, nachdem bis vorigen Freitag die Viertklässler für Gymnasien und Mittelschulen angemeldet wurden. Die Bildungsempfehlungen halten sich indes die Waage. 48,8 Prozent seien für das Gymnasium, 49,5 Prozent für die Mittelschule ausgefallen, teilte die Sächsische Bildungsagentur gestern mit.
Kultusminister Steffen Flath (CDU) ist derweil bemüht, Ruhe in die Debatte zu bringen. Bisher habe man 870 Schulen und keine 1300 dicht gemacht, heißt es aus dem Ministerium. "Und dieses Jahr wird es keine großen Änderungen geben. Es ist fraglich, ob es überhaupt zu neuen Schließungen kommt", sagt Flaths Sprecher Dirk Reelfs.