Auf dem Comic-Markt haben die Mangas Batman, Spider-Man & Co., den Superhelden aus Amerika, längst den Rang abgelaufen.
Im Carlsen-Verlag erscheint mit "Daisuki" schon wieder ein Manga-Magazin (allerdings vor allem für Mädchen). RTL2 zeigt nach wie vor mit Erfolg "Dragonball" und startet nun eine neue Kultserie aus Japan, "Inuyasha". Außerdem hatte der Kinofilm "Dragon Ball Z" dieser Tage Bundesstart.
Die Machart dieser Produktionen erinnert an die Zeichentrickserie "Heidi" aus den siebziger Jahren, die bis heute mit viel Erfolg im Kinderkanal läuft: Die Bewegungen der Figuren sind seltsam eckig, und oft öffnen sich in den langen starren Einstellungen bloß die Münder. Aus Elternsicht aber ist ein ganz anderer Punkt ungleich heikler: Gerade "Dragon Ball" ist geprägt von Brutalität. Gewaltanwendung ist in dieser Serie grundsätzlich die einzige Methode, den Gegner zu besiegen.
Die Kampfszenen sind ausführlich, es gibt abgehackte Körperteile, und Morde werden kalt lächelnd begangen. Die Gewalt ist also nicht wie im Cartoon etwa bei "Tom & Jerry" witzig, sondern todernst: Die Verwundeten schreien und krümmen sich vor Schmerz am Boden. In einer Folge hat Held Son Goku ein faustgroßes Loch in der Brust, auf das sein Widersacher wieder und wieder tritt. Kein Wunder, dass der Film zur Serie - zum Entsetzen vieler Kinder, zur Erleichterung vie-ler Eltern - in den Kinos erst ab zwölf Jahren freigegeben ist.

Viele Kampfhandlungen
Eine Studie aus dem Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), München, hat nun erforscht, was Kinder und junge Jugendliche an der Zeichentrickserie so fasziniert. Laut älterer Untersuchungen, etwa von Bernd Schorb und Helga Theunert, haben gerade kleinere Kinder angeblich gar keine Lust auf starke Kämpfer; dennoch erreichte die Serie bis zu ihrer (vermutlich nur vorübergehenden) Absetzung über 500 000 der Drei- bis 13-Jährigen (Marktanteil: bis zu 30 Prozent). Dank "Dragon Ball" und "Dragon Ball Z" ist der Erfolg von RTL2 in dieser Zielgruppe im Vergleich zum Jahr 2001, als "Pokémon" und "Digimon" nicht mehr "hip" waren, deutlich angestiegen.
Die Kinder stellen in den Interviews der IZI-Forscher eindeutig die Kampfhandlungen in den Vordergrund: "Mir gefällt, wie die brutal werden und ausrasten" (Bülent, zehn Jahre). Kinder finden zudem die seltsamen Frisuren cool und fahren auf die Kleidung des Helden Son Goku ab, der gegen außerirdische Kreaturen um die magischen Dragon Balls kämpft.
Vor allem Kinder von Ausländern bewundern Son Goku, "weil er krasse Attacke hat", wie ein Zwölfjähriger sagt. Trotzdem kritisieren die Kinder ausgerechnet die ausdauernd dargestellten Kämpfe und ihre Detailfreude ("Wie Freezer die Arme abgetrennt wurden, das war eklig.").
Viele der Befragten fürchten, dass die Serie ihre Altersgenossen dazu animieren könnte, auch selbst gewalttätig zu werden. Obwohl über 50 Prozent der befragten Kinder einräumen mussten, dass sie von der mitunter überraschend komplexen Handlung des Öfteren überfordert sind, führen weder dies noch die Brutalität der Bilder zu einer Ablehnung der Serie. Tatsächlich geben viele als Lerneffekt an, sie würden dank "Dragon Ball" bei Schulhofraufereien mutiger auftreten und sich nicht mehr alles gefallen lassen. Ein Zehnjähriger erklärt, er fühle sich jetzt stärker: "Wenn mich einer schlägt, dann schreie ich richtig und schlage fest zu, so wie in ,Dragon Ball‘."

Realität und Fiktion trennen
Für Eltern und Lehrer klingt das alarmierend. Die Medienpädagogen beruhigen allerdings: Kinder seien durchaus in der Lage, zwischen Realität und Fiktion zu trennen. Der renommierte Pädagoge und Autor Ben Bachmair rät zum konstruktiven Umgang mit der Serie: "Eltern sollten bei Programmen voller Kämpfe immer besorgt sein. Doch nur vordergründige Moral zu predigen, bringt nichts. Sie sollten zuhören und sich die Serie vom Experten Kind erklären lassen und so selbst zum Fachmann werden. Dann können sie im Gespräch auch kritisch Stellung beziehen."