Der Klimawandel lässt sich nach Ansicht des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), nicht länger als isoliertes Problem betrachten. Der Wandel verzahne sich immer mehr mit zwei anderen großen Herausforderungen: der dramatischen Verknappung von Rohstoffen und der zunehmenden Industrialisierung der ärmeren Länder. Das sagte Müller am Rande der UN-Klimaverhandlungen in Valencia in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Derzeit begännen die Länder des Südens die Welt zu prägen: „China wird wahrscheinlich in zwei Jahren der größte Treibhausgasemittent der Welt sein. Und trotzdem wird ein Chinese dann im Durchschnitt erst etwa bei einem Fünftel dessen liegen, was ein Amerikaner verursacht. Da schlägt Quantität in eine neue Qualität um, die wir erst langsam begreifen“, sagte Müller. „Wir sind in einer Situation, in der wir über das Umweltthema nicht mehr als Randthema reden können. Es wird das Zusammenleben der Menschen, den Frieden auf der Erde und den Wohlstand der Völker entscheidend bestimmen.“

Daher sei eine Blockadehaltung, wie sie besonders Saudi-Arabien bei den Klimaverhandlungen in Valencia an den Tag lege, „verantwortungslos“. Müller warf der Delegation vor, „lächerliche“ Anträge zu stellen und Kleinigkeiten überzubewerten. So habe das Land die Veränderung von Grundwasserströmen durch den Klimawandel als teilweise gut bezeichnet, ohne die bei weitem überwiegenden, negativen Folgen zu erwähnen.

Positiv hob Müller hervor: „Inzwischen gibt es auf den verschiedensten Kontinenten auch außerhalb Europas viele Länder die sagen: "So, jetzt muss endlich was getan werden".“ Der Staatssekretär ergänzte: „In diesem Jahr haben wir einen Riesensprung nach vorne gemacht, weil die Mehrheit der Welt inzwischen akzeptiert, dass der Klimawandel keine theoretische, sondern eine praktische Herausforderung ist.“

Müller schränkte jedoch ein: „Ein Problem zu erkennen, heißt noch lange nicht, das Problem zu durchdringen. Im Zweifelsfall sind vielen Staaten nationale Interessen wichtiger als die Sicht aufs Globale.“ Die Verleihung des Friedensnobelpreises an den UN-Klimarat IPCC habe unterdessen nicht dazu geführt, dass die Forderungen der Forscher „mutiger“ geworden seien. „Aber die Welt hört ihnen noch besser zu, daher sind auch die Delegationen vorsichtiger mit dem, was sie sagen.“

Gespräch: Thilo Resenhoeft, dpa