Herr Lepsch, im vergangenen Jahr bei der letzten Mitgliederversammlung gab es viele Diskussionen um die Satzungsänderung. Manche sagten sogar, dass der Verein am Auseinanderbrechen sei. Wie stellt sich die Lage heute dar„
Ich kann das nicht nachvollziehen. Diese Situation hatten wir vielleicht ein halbes Jahr zuvor. Da bestand die Gefahr, dass der Verein von der Fußball-Landkarte verschwindet. Wir sind damals mit der Situation sehr verantwortungsvoll umgegangen. Das Ziel war ja, das eben beschriebene Szenarium zu verhindern, indem der Verwaltungsrat schneller handeln kann. Der Verwaltungsrat entscheidet nach wirtschaftlicher und vereinspolitischer Vernunft und achtet natürlich darauf, dass sportlich alles in Ordnung ist. Die Entscheidung mit der Satzungsänderung ist zwar aufgeregt diskutiert, aber dann doch mehrheitlich beschlossen worden.

Wie ist denn der Verein seit der Neubildung von Verwaltungsrat und Präsidium finanziell aufgestellt“
Wir sind im Grunde genommen gleich aufgestellt wie damals, als wir begonnen haben. Die Verbindlichkeiten von 4,5 Millionen Euro sind in ähnlicher Höhe da. Es hat sich auch nicht gravierend verändert.

Warum nicht„
Wir werden es auch unseren Mitgliedern sagen. Wir haben die Chance in der 1. Liga, wenn wir so weiter wirtschaften, die Verbindlichkeiten schneller abzubauen. Das haben wir vor, das kriegen wir auch hin. Wir haben da aber auch noch ein paar Dinge aus der alten Zeit, die uns stark belasten. Wir sind in sehr intensiven Gesprächen mit dem Finanzamt über Vorgänge aus den Jahren 2000 bis 2005.

Ist in diesem Zusammenhang auch die Forderung von Gregg Berhalter zu sehen, der auf Nachzahlungen vom Verein klagt“
Nein, nicht direkt. Aber das sind so typische Dinge aus der Vergangenheit, die haben wir sehr oft. Da sind Dinge in irgendeiner Weise geregelt worden, die uns nicht bekannt waren. Wir haben ja auch gesagt, dass es da einiges zu bereinigen gibt. Jetzt sind wir solide aufgestellt. Die Spieler bekommen ihre Gehälter pünktlich, was ja auch nicht immer so war.

Zwei Verwaltungsratsmitglieder stellen sich zur Wiederwahl, der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) soll neu in den Verwaltungsrat. Wie stehen Sie zu seiner Kandidatur„
Frank Szymanski brennt für Energie und setzt sich für den Verein ein. Außerdem ist er eine wichtige Persönlichkeit mit extrem guter Regionalkenntnis sowie guten Beziehungen nach Potsdam und in die gesamte Republik.

Energie Cottbus soll zu einer bundesweit bekannten Marke gemacht werden, und auch erste Kontakte nach China gibt es. Ist der Verein da auf einem guten Weg“
Das ist ein Prozess, der Jahre dauern wird. Wir haben nicht die Traditionen wie alteingesessene Vereine wie Schalke oder Dortmund. Wir arbeiten daran, aber es dauert. Der Weg nach Asien ist weit, schwierig, aber reizvoll. Wir haben mit Jiayi Shao einen Chinesen unter Vertrag, der in seiner Heimat sehr populär ist. Vielleicht gibt es hier auch Synergieeffekte für den Bekanntheitsgrad unseres Vereins.

Könnten Sie uns in Kurzform die wichtigsten Dinge nennen, die Priorität hatten, und die wichtigsten Aspekte, die noch abgearbeitet werden müssen„
Das Wichtigste war, den Bundesliga-Fußball zu erhalten. Punkt zwei war, die Finanzen zu ordnen. Und schließlich, eine konkurrenzfähige Mannschaft zu haben. Was wir wollen, ist, dass der FCE Energie möglichst lange in der 1. Liga bleibt und langfristig entschuldet ist. Bleiben wir in der 1. Liga dauert der Entschuldungsprozess drei bis fünf Jahre. In der 2. Liga so um die zehn Jahre.

Energie nennt sich selbst der „Fight-Club“ . Ist das ein Image, das dem Verein gut zu Gesicht steht“
Ich glaube, das Synonym steht für Leidenschaft und dass wir Fußball auch arbeiten. Wir sind ja nun keine Truppe, die spielerisch alle niedermacht. Bei uns wird gekämpft und gearbeitet.

Wie sind Sie mit der sportlichen Situation zufrieden„
Unterschiedlich zufrieden. Es hat sehr, sehr gut begonnen. Da hatten wir die Hoffnung, dass wir bis zur Halbserie so 22 bis 23 Punkte schaffen können. Für uns gab und gibt es doch nur ein Ziel, den Klassenerhalt. Nun haben wir aus acht Spielen nur zwei Punkte geholt. Das ist etwas wenig. Doch ich bin guten Mutes, dass wir am Samstag gegen Stuttgart noch drei dazubekommen.

Mischen Sie sich in die sportlichen Belange ein“
Nein, überhaupt nicht. Dass ist Sache von Petrik Sander und seinen Kollegen. Wir diskutieren manchmal, aber mischen uns nicht ein. Die Mannschaft stellt der Trainer auf. Gilt es, Absprachen zu treffen, das macht dann Manager Steffen Heidrich mit dem Trainerstab.

Warum kommen so wenig Zuschauer zu den Heimspielen ins Stadion„
Natürlich würden wir uns auch jedesmal ein ausverkauftes Stadion wünschen. Wenn man aber unsere Zahlen im Verhältnis zu anderen Vereinen sieht, dann ist das nicht so schlecht für die Region. In unserem Einzugsgebiet leben so um die 500 000 Menschen. Vergleichen Sie das mal mit der Berliner Region. Wir liegen derzeit im Durchschnitt bei 16 000 Zuschauern. Geplant haben wir mit 12 500.

Kann besserer Service mehr Zuschauer ins Stadion locken“
Da ist schon etliches verbessert worden. Wir haben mehr Verkaufsstände im Stadion. Unser Ticketsystem mit dem man Karten zu Hause ausdrucken kann, ist einmalig. Wir sind für Wünsche und Anregungen stets offen.

Vier Vereinsmitglieder haben gegen die Satzungsänderung, die eine Direktwahl des Präsidiums nicht mehr zulässt, geklagt. Wie ist der Stand in dieser Angelegenheit„
Die Sache ist noch nicht vom Tisch, aber wir sind in guten Gesprächen.

Was erwarten Sie von der heutigen Mitgliederversammlung“
Wir werden den Mitgliedern ordentlich Rechenschaft ablegen. Auch wenn jetzt Adventszeit ist, ist das für uns keine Zeit der Heimlichkeiten. Wir werden über alles berichten, werden auch den Schuldenstand darlegen und versuchen, auf die gestellten Fragen eine Antwort zu finden. Die Mannschaft wird heute Abend auch dabei sein.

Mit ULRICH LEPSCH sprachen
Dieter Schulz, Susann Michalk, Wolfgang von der Burg
und Frank Noack