Mit dem Knüppel sei er noch nicht vom Acker gejagt worden, sagt Robert Franck, ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter in Brandenburg. Aber eines sei deutlich zu merken: "Die Akzeptanz des Wolfs auf dem Land nimmt ab." Das gilt vor allem für jene, die mit dem Raubtier um Beute konkurrieren, wie die Jäger. Wenn Friedrich Noltenius, Wolfsbeauftragter beim Landesjagdverband Sachsen, nach einem Wolfsangriff zum Tatort kommt, strahlt ihm keine Akzeptanz entgegen: "Der Mensch draußen auf dem Land wird den Wolf nicht als Bereicherung empfinden", sagt Noltenius.

15 Jahre nach seiner Wiederkehr ist Deutschlands berühmtestes Wildtier an einem Tiefpunkt angelangt. Dass der Einwanderer Wolf unter strengem Artenschutz steht, selber aber ungestraft auf Rehe und Schafe losgeht, geht gerade denen auf die Nerven, die in der Wolfsregion leben. "Den Leuten muss das Gefühl gegeben werden, ich habe eine Einflussmöglichkeit", forderte Jäger Noltenius am Freitag in einer Expertenanhörung im Dresdner Landtag. In das gleiche Horn stieß dort Regina Walther, Sprecherin des Schaf- und Ziegenzuchtverband Sachsen: "Der Wolf hat uns viel Kraft gekostet", sagt die Züchterin. 25 Rudel und acht Paare hat das Lupus Institut für Wolfsmonitoring 2014 registriert. Die Rudel werden sich weiter aufteilen und ausbreiten, schätzt Lupus-Biologin Gesa Kluth ein. Wo die Menschen das wissen, da wird der Wolf auch öfter gesehen. Allein im vergangenen Jahr kamen bei Kluth mehr als 2000 Hinweise auf Wölfe rein, die meisten aus dem Nordosten Sachsens. Nicht immer sind die Sichtungen auch real - wirklich harte Fakten liefern die Totfunde, 2014 allein 38 in Sachsen.

Je allgegenwärtig der Wolf ist, desto lauter werden Forderungen, seinen Schutz aufzuweichen. Mehrere Petitionen dazu haben den sächsischen Landtag bereits beschäftigt - nicht ohne Wirkung: "Uns muss es gelingen, den Wolf in Sachsen zu schützen, ohne dabei die Bedenken der Kritiker zu ignorieren", sagt der CDU-Abgeordnete Andreas Heinz. In einem Antrag fordern die Regierungsfraktionen von CDU und SPD nun, den Schutzstatus anhand der Populationsentwicklung ständig zu überprüfen. Angedacht ist auch, "die erhöhten Aufwendungen für die Nutztierhalter, wie beispielsweise die Futterkosten für Herdenschutzhunde, in die Förderung einzuarbeiten", so Heinz.

Dagegen verwahren sich Naturschützer wie Markus Bathen vom Nabu. Wenn die Verfahren zum Schadenersatz für Jagdpächter oder Schäfer vereinfacht würden, würde man ohne Not an der "guten Qualität bei der Verursacherermittlung" rütteln, sagte Bathen bei der Anhörung. Man dürfe nicht vergessen, dass nur bei 0,3 Prozent der getöteten Schafe der Wolf der Täter sei.

Manfred Wölfl vom Bayerischen Landesamt für Umwelt warnte die Sachsen davor, sich "von Interessengruppen vereinnahmen zu lassen". Mit dem Wolf haben die Bayern zwar wenig zu tun, er nutzt das Land nur für den Transit. Doch mit Bären und Luchsen ist im Süden die Erfahrung groß. Für Letztere gilt: "Wer Luchse mag, schert sich nicht um Rehe. Wer Rehe mag, lehnt Luchse ab." So fasste Experte Wölfl seine Erfahrungen zusammen und warnte ausdrücklich davor, "Stellvertreterkriege auf Kosten des Tieres" auszufechten. Was helfen soll, ist mehr Überwachung. Robert Franck aus Brandenburg würde es "sehr begrüßen, wenn man den Wolf besendern könnte", um ihn in kritischen Fällen zu orten. Doch dazu muss man das Tier erstmal haben. Gesa Kluth bedauert, dass es nur eine anerkannte Fangmethode gibt - die schlecht funktioniert. Norman Stier, Forstzoologe von der TU Dresden, fordert deutschlandweites Wolfsmonitoring. Jäger Noltenius fordert die Überwachung europaweit.