An diesem Dienstag werden vor dem Ausschuss zum letzten Mal Zeugen angehört. Die Landesregierung hatte in 10 200 von insgesamt 82 000 Fällen keine Erben für Bodenreformland gefunden, das nach dem Zweiten Weltkrieg an "Neubauern" verteilt worden war. Daraufhin ließ sich das Land selbst zum Vertreter bestellen und beantragte bis zu einer Verjährungsfrist im Oktober 2000, als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen zu werden. Schuldfrage schwierig Es hätte schon damals klar sein müssen, dass dieses massenhafte "In-Sich-Verfahren" - wenn also Begünstigter und gesetzlicher Vertreter dieselben sind - illegitim war, sagt der Obmann der Linkspartei im Untersuchungsausschuss, Christian Görke. Der Fehler ist erwiesen, die Klärung der Schuldfrage hingegen schwierig. Niemand habe damals wissentlich unrechtmäßig gehandelt, sagt Ministeriumssprecher Ingo Decker. "Wir haben keine klebrigen Finger." Als Konsequenz aus dem BGH-Urteil "haben wir alle Ansprüche des Landes auf diese Grundstücke sofort fallen gelassen". In 286 der 10 200 Fälle sei die Rückgabe bereits zugesagt oder erfolgt. Wenn die Erben nicht auftauchen, beantrage das Land die Berichtigung des Grundbuches. Für den Bundesvorsitzenden der Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum (ARE), Manfred von Schwerin, ist die Rückgabepraxis des Landes eine "Hinhaltetaktik". Das Land habe nach wie vor kein Interesse, die Erben zu ermitteln - denen müssten schließlich auch die Erträge aus den Flächen erstattet werden. Das Angebot der ARE, einen professionellen Erbenermittler zu bezahlen, habe das Finanzministerium abgelehnt. Thema war bestens bekannt Es verwundert, dass die politische Führung das Thema seinerzeit nicht näher verfolgte. Schließlich handelte es sich bei den Bodenreform-Erbschaften nicht gerade um ein drittrangiges Thema. Die Problematik war in allen neuen Ländern bekannt. Im Sommer 2000 erfolgten massenhafte Grundbucheinträge zugunsten des Landes. Damals wie heute amtierte eine SPD/CDU-Koalition. Auf der Suche nach politischer Verantwortung verweist der CDU-Obmann im Ausschuss, Dierk Homeyer, auf die SPD. Seit 1996 sei das Thema Bodenreformland in Brandenburg vorangetrieben worden, bis 1999 habe die SPD allein regiert und besetze noch heute das Finanzressort. Dessen Ex-Ministerin Wilma Simon wies, wie alle befragten Regierungsvertreter, alle Schuld von sich. Am heutigen Dienstag tritt als einer von drei geladenen Zeugen erneut der Abteilungsleiter Helmut Baesecke auf. Im April soll dann der Abschlussbericht im Landtag debattiert werden.