Die 39-jährige Dresdnerin mit dem flammend roten Haar gehört seit 15 Jahren zu den führenden Figuren der unübersichtlichen Partei. Dem Bundestag gehört sie seit 2005 an. Und wie sie sich den Wahlkampf 2017 vorstellt, machte sie den rund 200 Delegierten in der Glauchauer Sachsenlandhalle mit der für sie typischen Inbrunst deutlich: Erstens soll die Linke "bundesweit die drittstärkste Kraft werden". Dafür muss sie, zweitens, "die Rechtspopulisten hinter sich lassen".

Was nicht einfach wird. Denn auf dem Weg zum linken Wunschergebnis von 25 Prozent der Stimmen steht gerade die AfD im Weg. Die holte 2013 bereits 6,8 Prozent der Zweitstimmen, als sie noch in den Kinderschuhen steckte. Für die Linken ist damit der Gegner klar. Nämlich die AfD mit ihrem "Retro-Heimat-Kapitalismus", wie es Kipping sagt. Für sie ist klar: "Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte." Das fand Zustimmung unter den Delegierten, sie wählten ihre Spitzenkandidatin mit 84,8 Prozent - knapp fünf Prozentpunkte mehr als 2013.

Als besonderer Gast des Parteitages kümmerte sich die Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Sahra Wagenknecht, um die Angriffe auf die Bundesregierung. Die Linke sei die einzige Partei, so Wagenknecht, bei der man sicher sein könne, "die Stimmen von uns wird Merkel nicht für eine neue Amtszeit kriegen". Es war ihre erste Rede auf einem Parteitag des mitgliederstärksten Landesverbands.

Um den dritten Gegner kümmerte sich der sächsische Parteichef Rico Gebhardt. Nämlich die SPD, die gerade "die hart arbeitenden Menschen wieder in den Mittelpunkt der sozialdemokratischen Erzählung" rücke. Dem SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz und seiner Gerechtigkeitsbotschaft setzen die sächsischen Linken ein anderes Gerechtigkeitsmodell entgegen. Im Fokus stehen die Leiharbeiter, prekär Beschäftigten sowie Leute, die vom Arbeitsmarkt abgeschnitten sind und sich von Maßnahme zu Maßnahme hangeln müssen.

Und vor allem: die Ostdeutschen. Vielleicht, meinte Gebhardt, habe die Partei nach ihrem Zusammenschluss mit der WASG vor zehn Jahren "im Willen, erste gesamtdeutsche Partei zu sein, das Wort Osten das eine oder andere Mal lieber vermieden". Doch genau hier sieht der Landesverband Ressourcen für den Wahlkampf. Im Osten, wo "die ganzen neoliberalen Experimente der vergangenen Jahrzehnte erst einmal erprobt worden sind" und wo "die Angst, zurückgelassen zu werden", immer noch größer sei als in den alten Bundesländern. "Seien wir ehrlich", sagte der 53-jährige Landesverbandschef, "die bundesdeutsche Politik hat keine Ahnung vom Osten".

Männlicher Teil des Spitzenteams ist auch diesmal der gelernte Lehrer André Hahn mit Listenplatz zwei, der seit 2013 im Bundestag sitzt. Auch die Abgeordneten Caren Lay (Bautzen), Michael Leutert (Chemnitz), Sabine Zimmermann (Zwickau), Axel Troost und Susana Karawanskij kandidieren wieder. Neueingang auf Platz 8 der Liste ist der 29-jährige Leipziger Tilman Loos, Jungstar der Connewitzer Szene-Linken.