Wären all die Botschaften noch auf dem traditionellen Postweg gekommen, hätte der langjährige CDU-Chef in seinem Haus in Oggersheim dafür kaum Platz gefunden. Über die von der CDU eigens geschaltete Sonderseite www.helmut-kohl.cdu.de wurde der Geburtstag im Internet sozusagen eine große Glückwunsch-Party. Über das Wochenende gingen dort fast 9000 elektronische Grüße ein.

Der Altkanzler wollte seinen 80. ohne große Öffentlichkeit verbringen. Allerdings lassen es sich fast 500 Mitglieder der Jungen Union (JU) am Samstag nicht nehmen, dem früheren Parteivorsitzenden ein Ständchen zu bringen. Unter der Leitung des populären Dirigenten Gotthilf Fischer singen sie „Zum Geburtstag viel Glück“, „Kein schöner Land“ und die Nationalhymne.

Kohl verfolgt den für ihn überraschenden Auftritt sichtlich berührt vom Rollstuhl vor der Haustür aus und singt die Nationalhymne mit. Er ist umringt von seiner Frau Maike und mehreren Gästen. Den Gratulanten prostet er mit einem Glas Wein zu. Der JU-Vorsitzende Philipp Mißfelder sagt, die CDU verstehe sich als große Familie. Im Namen der JU würdigt er Kohl als politischen Großvater. Auf riesigen Transparenten ist zu lesen: „Immer unser Kanzler“ und „Wir danken Dir, Kanzler der Einheit“. Zuvor hatte Kohl bereits eine Abordnung von Reitern und Jagdhornbläsern gegrüßt und war einmal vor die Haustür gekommen, um wartenden Journalisten zuzuwinken. Mehr ist von ihm an seinem Geburtstag nicht zu sehen.

Aber es gibt ja noch die virtuelle Geburtstagsparty der CDU im Internet. Von A wie Konrad Adenauer bis Z wie Ulli Ziegenfuß huldigen dort über Ostern Menschen dem „Rekord-Kanzler“, der Deutschland 16 Jahre regiert und 25 Jahre lang die Partei geführt hat.

So schreibt der Namensvetter des ersten Kanzlers Konrad Adenauer aus Köln: „Sie haben als CDU-Politiker erreicht, wovon andere allenfalls geträumt haben.“ Herbert Abaecherli aus Caracas bekennt: „Wäre ich Deutscher, hätte ich Sie nicht gewählt. Aber nach alldem, was Sie für Deutschland, ohne ihren Nachbarn Böses zuzufügen, geleistet haben, erkenne ich, dass das wohl falsch gewesen wäre.“

Norbert Beutler aus Düsseldorf ruft Helmut Kohl zu: „Herzlichen Glückwunsch und ein herzliches Danke unserem alten Sturkopf für viele Jahre Politik für die Menschen.“

Die meisten Schreiben betreffen die deutsche Einheit. Etliche Absender aus Ost oder West danken Kohl für seine unermüdlichen Bemühungen um die Wiedervereinigung. So etwa Joachim Zufelde aus Aschersleben: „Vielen Dank für die Befreiung aus der – biblisch gesehen – 40-jährigen Wanderung durch die Wüste.“ Georg Bierwald aus Oberhausen fragt: „Warum haben Sie für Ihr Werk nicht den Friedensnobelpreis bekommen?“

Einer spricht wohl die heikle Spendenaffäre an, die Kohl letztlich im Jahr 2000 den Ehrenvorsitz der CDU kostete. Denn er wollte die Spender nicht nennen. Dafür hatte er ihnen sein Ehrenwort gegeben. Ohne die Spendenaffäre direkt zu erwähnen, schreibt Ludwig Biedermann aus Wörth am Rhein: „Ich bin stolz, hier in Deutschland einen Kanzler gehabt zu haben, dessen Ehrenwort noch Wichtigkeit hatte.“ Kohl schweigt dazu bis heute. Nur wenige nutzen die Gelegenheit, mit Kohl ins Gericht zu gehen.