Auch wegen der Frisörbesuche hat man sich nicht einigen können. Jetzt tritt Lara Liqueur selbst in der zweiten Runde der Dresdner OB-Wahl an. Dabei hatte die Dragqueen der Links-Kandidatin Eva-Maria Stange (SPD) ihre Unterstützung angeboten: Eine Empfehlung an die 5400 Lara-Wähler, im zweiten Wahlgang für Stange zustimmen. Doch das Angebot kam mit einer Liste happiger Forderungen. Laras Partei "Die Partei" wollte Rederecht in jeder Stadtratssitzung, eine Spende von 4,59 Euro pro Stimme für mildtätige Zwecke. Und eben die Entscheidungsgewalt über die Frisörbesuche der SPD-Wissenschaftsministerin. Das lehnte Stange ab, stattdessen sollte ihr Wahlkampfkoordinator den Kopf hinhalten, zum Haareschneiden.

So weit, so witzig. Aber für die Wahlsiegerin Eva-Maria Stange ist das mehr als nur eine Lachnummer. Die 58-jährige Gemeinschaftskandidatin von Linken, Grünen und SPD hat zwar im ersten Wahlgang mit 36 Prozent souverän gewonnen. Sie braucht aber für die zweite Runde jede verfügbare Stimme - um nicht doch noch gegen den Zweitplatzierten, Dirk Hilbert, zu verlieren.

Beide Kandidaten schielen nun auf die CDU-Anhänger. Die Partei, die Sachsen seit 25 Jahren ungefährdet regiert, ist in Dresden als Splitterpartei aus der Wahl gegangen und hat das Rennen inzwischen aufgegeben. Ihr Kandidat, Innenminister Markus Ulbig, landete mit 15,4 Prozent auf Platz drei.

Doch eine Verbrüderung der CDU mit dem bürgerlichen Lager von Dirk Hilbert ist gescheitert. Der FDP-Mann will es am 5. Juli allein schaffen. Er wolle "keinen künstlichen Lagerwahlkampf", so Hilbert. Der 43-Jährige tritt als überparteilicher Kandidat des Vereins "Unabhängige Bürger für Dresden" an. Dort sei man sich einig, "keine Vereinbarungen mit einzelnen Fraktionen oder Parteien zu schließen". Dabei hatte es schon Gespräche zwischen Hilbert und der CDU gegeben.

Interesse an Ulbigs Unterstützung hat indes die SPD-Kandidatin Stange. Die sitzt ohnehin im schwarz-roten Landeskabinett mit Ulbig am Tisch. "Mit ihr kann er die Dinge in Dresden umsetzen, die er forderte", so sieht es SPD-Landeschef Martin Dulig.

Doch dazu kommt von der CDU-Seite ein klares Njet: "Eine Unterstützung für die Kandidatur von Frau Dr. Eva-Maria Stange durch die CDU Dresden wird es nicht geben." Die Christdemokraten stört, dass Stange auch für die Linke antritt. Wahlentscheidend wird nun, wie sich die 34 000 Ulbig-Wähler im zweiten Wahlgang verhalten. "Jetzt wird es wirklich spannend zu schauen, wie Hilbert meine 21 000 Wähler proaktiv motivieren will", sagt eine, die schon raus ist aus dem Rennen. Tatjana Festerling, die Kandidatin des Pegida-Bündnisses, hat zwar mit ihrem Sprung von Null auf 9,6 Prozent für Staunen gesorgt bei der Dresdner OB-Wahl am 7. Juni. Doch noch mehr erstaunte Festerling ihre Wähler und alle anderen kurz darauf mit einer unschmeichelhaften Ansage: Man müsse jetzt "eine verdammt dicke Kröte schlucken". Wer war gemeint? Der FDP-Kandidat Dirk Hilbert. Eine eindeutige Wahlempfehlung für den bürgerlichen Hilbert soll es nun doch nicht gewesen sein.