Herr Robbe, hätten die tragischen Ereignisse am Karfreitag bei Kundus verhindert werden können?
Das ist eine Frage, die zum jetzigen Zeitpunk nicht beantwortet werden kann. Die Geschehnisse mit den furchtbaren Folgen sind noch nicht ausgewertet.Das heißt, Sie schließen sich den Grünen an, die eine Untersuchung fordern?
Die muss man nicht fordern. Die Überprüfung und die Nacharbeitung eines so schlimmen Vorfalls erfolgt automatisch durch alle zuständigen Stellen der Bundeswehr. Und auch vom Wehrbeauftragten.Sie haben Kritik an Ausbildung und Ausrüstung der Soldaten in Afghanistan geübt.
Ich habe das nicht pauschal gesagt, sondern mache dies an Details fest. Ich habe die Soldaten, die jetzt in Kundus eingesetzt sind, vor ihrer Verlegung besucht. Mein Bild war, dass sie sich insgesamt gut vorbereitet fühlten. Totzdem sind mir Defizite in der Ausstattung und der Ausbildung geschildert worden, die leider nicht neu sind. Was meinen Sie konkret?
Es fehlen Transportflugzeuge und Hubschrauber. Es kommt auch vor, dass Soldaten beispielsweise als Kraftfahrer in den Einsatz geschickt werden, obwohl sie für die schwer zu manövrierenden, gepanzerten Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als zehn Tonnen nicht ausgebildet sind. Die Ausbildung erfolgt dann erst im Einsatz. Das ist absolut nicht zu akzeptieren.Woran liegt das?
Die Politik verlässt sich darauf, was die militärische Führung ihr rät. Die Vorlagen, die die Abgeordneten also zur Entscheidung bekommen, stammen aus der Feder von Uniformträgern. Ich habe den Eindruck, dass die Realitäten wie jetzt in Kundus zu wenig von der militärischen Führung wahrgenommen werden.Sie würden aber auch von Krieg sprechen?
Selbstverständlich. Das habe ich vor zwei Jahren schon getan. Zu dieser Zeit wurde mir von damaligen Verantwortlichen vorgeworfen, ich würde meine Kompetenzen überschreiten. Dabei habe ich nur das beschrieben, was Soldaten im Einsatz erleben und mir gegenüber auch äußern. Kaschieren und Schönreden helfen nicht, das führt nur zur Verunsicherung. Mit Reinhold Robbe sprach Hagen Strauß