Er soll Computerfreak sein, Basketballfan und das Ebenbild seines Vaters: Kim Jong Un, dritter Sohn des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il, der am Samstag im Alter von 69 Jahren gestorben ist. Seit er im vergangenem Jahr zum Vier-Sterne-General ernannt wurde, gilt Kim Jong Un als designierter Nachfolger an der Spitze des Partei- und Staatsapparates. Wie die Machtübernahme nun vonstatten gehen wird, ist jedoch noch unklar. Nordkorea ist eine extrem abgeschottete Diktatur.

Über das Leben und die Persönlichkeit von Kim Jong Un gibt es wenig sichere Informationen. Selbst sein Geburtsdatum ist nicht bekannt. Kim Jong Un soll 1982, 1983 oder Anfang 1984 zur Welt gekommen sein. Seine Mutter Ko Jong Hui, eine in Japan geborene Koreanerin, war Kim Jong Ils dritte Frau. Sie starb im Jahr 2004 an Krebs.

In den 90er-Jahren besuchte der Diktatoren-Sohn ein Internat in der Schweiz. Ein Foto, das aus dieser Zeit stammen soll, zeigt ihn als pausbäckigen, leicht lachenden Teenager in einem schwarzen Rollkragenpulli. Ehemalige Mitschüler berichten von Kim Jong Uns Leidenschaft für japanische Comics und Basketball. Nach seiner Rückkehr 1998 nach Nordkorea studierte er Militärwissenschaften an der Armeehochschule der Hauptstadt Pjöngjang.

Kim Jong Un wurde offenbar auserwählt, das politische Erbe seines Vaters anzutreten, weil seine zwei älteren Brüder in Ungnade fielen. Der älteste Sohn, Kim Jong Nam, hatte versucht, mit einem gefälschten Pass nach Japan zu reisen. Der zweitälteste, Kim Jong Chol, soll angeblich zu wenig Härte zeigen.

Kim Jong Un gleiche von allen drei Söhnen in Charakter und Statur seinem Vater am meisten, schreibt der Japaner Kenji Fujimoto in seinem Buch „Ich war Kim Jong Ils Chefkoch“. Angeblich leidet er auch an den Krankheiten seines Vaters: Diabetes und Herzschwäche. Der Vater Kim Jong Il war selbst in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Er war bereits 1980, 14 Jahre vor seiner Machtübernahme 1994, öffentlich in hohe Parteiämter eingeführt und langsam aufgebaut worden. In den folgenden Jahren übernahm er offenbar Aufgaben im Organisationskomitee der Partei, das zuständig ist für die Überwachung der Funktionäre. Im vergangenen Jahr soll Kim Jong Il seinen Sohn Kim Jong Un offiziell als Nachfolger bezeichnet haben – was aber nie öffentlich bestätigt wurde.

Der Vater habe zudem Gedichte und ein Lied, in dem die jugendliche Vitalität und das Wissen dieses Sohnes gelobt wurde, unter das Volk bringen lassen, hieß es. Experten glauben, dass Kim Jong Un bereits vor einiger Zeit inoffiziell in das mächtigste Staatsgremium, die nationale Verteidigungskommission, eingeführt wurde. Als sein Mentor gilt sein Onkel Jang Song Taek, der seit 2009 Vize-Vorsitzender der Verteidigungskommission ist. Dennoch wird es der als „brillanter Genosse“ und „junger Kapitän Kim“ bezeichnete Kim Jong Un voraussichtlich nicht leicht haben, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Ihm fehlt politische und militärische Erfahrung. Und: Offenbar hat er nicht die Unterstützung aller Spitzenkader.