Aufgeregtheit ist völlig fehl am Platz", sagte der Professor in einem Gespräch im Vorfeld von Europas größter Messe für Computer- und Videospiele "Games Convention", die heute in Leipzig beginnt und bis zum Sonntag dauert. Warkus ermunterte Politiker, sich selbst ein Bild zu machen.
Der immer wiederkehrende Ruf von Politikern nach einem Verbot von sogenannten Baller-Spielen stigmatisiere die Jugendlichen. "Wer tausende Spieler als potenzielle Killer verunglimpft, handelt aus pädagogischer Sicht absolut kontraproduktiv." Jugendliche würden durch diesen "Populismus" völlig verunsichert, sagte Warkus. Das führe aber nur dazu, dass sich die Jugendlichen zurückzögen und eher im Geheimen spielten. "So funktioniert keine Auseinandersetzung." Vielmehr müsse den Spielern beim Verarbeiten der Szenen zur Seite gestanden werden.
"Politikern fehlt wie den meisten Erwachsenen die Erfahrung mit den neuen Medien", sagte Warkus. Eine ernsthafte Beschäftigung der Entscheidungsträger bedeute aber, dass sie die Motive für die Jugendlichen zumindest nachvollziehen können. "Ich würde mich freuen, wenn ich einmal einem Kreis von Politikern die Action-Shooter vorstellen könnte." Mit Lehrern habe er bereits mit Erfolg solche Spiele-Abende veranstaltet.
Dabei hätten die Lehrer festgestellt, dass die Action-Shooter großen Spaß machten. "Diese Spiele sind so beliebt, weil man ohne große Vorbereitungen wie beispielsweise bei Strategie-Spielen sofort loslegen kann." Das ist aus Sicht des Medienpädagogen unproblematisch. Bedenklich werde es erst, wenn die Freizeitbeschäftigung von Jugendlichen allein aus Baller-Spielen besteht. "Hier muss die Gesellschaft alternative Angebote schaffen." Mit Verboten erreiche man dagegen gar nichts.
Anstatt ihr Augenmerk auf die reinen Baller-Spieler zu richten, forderte Warkus die Politik auf, sich vielmehr den Kriegsspielen zu widmen. "Hier wird ein zum Teil abstruses Geschichtsbild vermittelt, darüber hat aber noch kein Politiker gesprochen", sagte Warkus. Viele der US-Spieleentwickler würden das Bild vermitteln, dass es sich bei Krieg um ein opportunes Mittel handele. Dies sei ganz im Sinne der US-Regierung.
Auf der "Games Convention" betreut Warkus wie in den vergangenen Jahren den Familienbereich "GC family". Zusammen mit 70 Studenten will er den Besuchern einen Einblick die Welt der neuen Medien aus pädagogischer Sicht geben. Schirmherrin des Familienbereiches ist erstmals Sachsens Sozialministerin Helma Orosz (CDU).