Frau Limbourg, was halten Sie vom begleiteten Fahren ab 17„
Das ist sehr sinnvoll. Andere Länder wie Frankreich und Skandinavien, wo es das Projekt seit Längerem gibt, haben gezeigt, dass die Unfallzahlen junger Fahrer deutlich sinken.

Warum die positive Wirkung“
Dabei lernen die Jugendlichen unter geborgenen, kontrollierten Umständen ihre Grenzen, die nach der Ausbildung klar vorhanden sind, kennen. Zudem erfahren auch die Eltern, wo diese liegen und geben nicht einfach die Schlüssel zu ihrem schnellen Auto heraus.

Fahren Jugendliche riskanter„
Ja. Ein Jugendlicher will sich beweisen, Grenzen austesten, zeigen, was für ein toller Hecht er ist. Das gehört zur Entwicklung der Persönlichkeit. Männer profilieren sich über das Autofahren, Frauen hingegen mehr über ihr Aussehen. Sie neigen zum übertriebenen Abnehmen, zur Magersucht.

Wie groß ist der Einfluss der Familie auf das Fahrverhalten“
Jugendliche definieren sich, gerade wenn sie um die 18 und vorsichtiger sind, über ein Vorbild. Wenn sich die Familienangehörigen nicht riskant verhalten, neigen Fahranfänger weniger zu riskantem Verhaltensweisen. Wenn Papa aber andere von der Autobahn scheucht, bekommt der Nachwuchs ein Gefühl dafür, wie er sich Freiräume im Verkehr schaffen kann.

Ist die negative Vorbildwirkung ein Problem für BF 17„
Nein. Ein Problem ist vielmehr, dass sozial schwache und schwierige Bevölkerungsschichten, aus denen häufig riskante Fahrer kommen, das begleitete Fahren nicht in Anspruch nehmen. Wenn die Angehörigen keine Zeit haben, die Voraussetzungen als Begleitperson nicht erfüllen oder nicht wollen, findet sich niemand, der mitfährt. Die riskanten Fahrer kommen vielleicht aus einer zerrütteten Familie und würden nie mit ihrer Mutter fahren wollen.

Hängen soziale Schicht und riskante Fahrweise zusammen“
Jugendliche aus sozial schwächeren Familien, die in der Schule wenig Erfolg haben, suchen häufig über das Autofahren Erfolgserlebnisse.

Gibt es Defizite in Sachen Verkehrserziehung„
Bei jungen Fahrern besteht Nachholbedarf. Deutschland hat in Europa die höchsten Unfallzahlen junger Fahrer.

Was sollte verbessert werden“
Tausende junge Fahrer sagen: Wenn an Discoausgängen kontrolliert wird, würden sie weniger oder keinen Alkohol trinken. Die Polizei hat oft keine Lust auf Kontrollen um fünf Uhr morgens. Dabei sinkt aber die Zahl der Drogenfahrten. Auch Schulen sollten stärker mitwirken, indem sie mit Klassen Unfallopfer in Rehakliniken besuchen. Es ist für die Jugendlichen abschreckender, zu sehen, wie fast Gleichaltrige mit den Unfallfolgen wie Behinderungen, Sprach- oder Hirnstörungen weiterleben, als gewarnt zu werden, dass sie sterben können. Viele sagen: Dann bin ich eben tot.

Mit MARIA LIMBOURG sprach Frank Muscheid.