Mit Tillichs Hilfsauftritt wurde jedoch schnell klar: Dem Noch-Umweltminister wächst auf seinem neuen Posten eine Schlüsselrolle in der künftigen Regierungsmannschaft zu. Und das hat Folgen.

Mehr Rückhalt für Tillich
Plötzlich ist der smarte Sorbe aus der Lausitz auch als potentieller Kronprinz wieder in aller Munde - nachdem sich zuletzt die Spekulationen über das Erbe von Ministerpräsident Georg Milbradt nur noch um Kultusminister Steffen Flath und Kanzleramtsminister Thomas de Maizière drehten. Tillich genieße derzeit sogar mehr Rückhalt als Flath, heißt es.
Die Nachfolgefrage wird mit Milbradts Kabinettsumbildung wieder intensiv diskutiert. Die Stimmung in der Fraktion sei "sehr gedrückt", berichten Abgeordnete, der erhoffte Befreiungsschlag sei ausgeblieben. Milbradts Zukunft über das Kommunalwahljahr 2008 hinaus steht damit mehr denn je in den Sternen. "Es hat sich was verändert, weil sich nichts verändert hat", sagt eine Christdemokratin. Das Vertrauen in Milbradts Führungskraft sei arg beschädigt.

Empörung über Umgang mit Winkler
Dabei stören sich die Abgeordneten am wenigsten an der Besetzung des Finanzressorts mit Tillich, am Aufstieg des Fraktionskollegen Roland Wöller ins Umweltministerium und an der Reaktivierung von Ex-Regierungssprecher Michael Sagurna als Staatskanzleichef. Für helle Empörung sorgt vor allem Milbradts Umgang mit Hermann Winkler, der über die Art und Weise seines Ausscheidens aus der Staatskanzlei nicht ordentlich informiert worden war. Der Affront habe ihn um den Schlaf gebracht, erzählt ein Abgeordneter, und ein anderer zitiert vielsagend das alte Sprichwort: "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg' auch keinem and'ren zu."
Viele hatten zudem gehofft, dass Milbradt eine große Kabinettsumbildung vornimmt und damit Ruhe ins Geschäft bringt. Nun drohten jedoch neue Rochaden, falls Innenminister Albrecht Buttolo zum Jahreswechsel ausscheidet und Sozialministerin Helma Orosz im Sommer die Oberbürgermeisterwahl in Dresden gewinnt. Dann gebe es "jedes Mal wieder Enttäuschte, die leer ausgehen", sagt ein Christdemokrat. Und wenn Milbradt seinen Justizminister Geert Mackenroth zum Innenressortchef mache, gebe es "viel böses Blut".
Für Verdruss sorgt bei manchen aber auch die landsmannschaftliche Komponente: "Es sind zwei Westdeutsche nachgerückt - aber zwei Sachsen herausgefallen", beklagt ein Abgeordneter mit kritischer Miene. Winkler und Metz sind Ostdeutsche, Sagurna und Wöller jedoch stammen aus Nordrhein-Westfalen. "Das kommt bei vielen Menschen nicht gut an." Die Sachsen wollten auch von Sachsen regiert werden.

Spekulationen um de Maizière
In den nächsten Monaten müsse sich erweisen, ob Milbradt das Ruder noch einmal herumreißt - oder das Ende seiner Amtszeit eingeläutet wird. Die Berufung von Sagurna in die Staatskanzlei und von Tillich ins Finanzressort, so mutmaßt mancher in der Regierung, könnte letztlich auch den Weg ebnen für einen Einzug de Maizières an die Regierungsspitze des Freistaates.