Herr Gerke, was war Ihr erster Gedanke, als Sie von den Enthüllungen erfuhren?
Wahnsinn, hab ich gedacht. Mir war schon klar, dass die Steuerehrlichkeit trotz des Drucks, etwa durch Datenklau erwischt zu werden, nicht sonderlich ausgeprägt ist. Doch jetzt geht es um Millionen Konten, die hin und her bewegt wurden, ohne, dass die Behörden einschließlich der Geheimdienste diesem offenbar weitgehend illegalen Treiben auf die Spur gekommen wären. Das ist eine neue Dimension.

Die Kanzlei Mossack Fonseca, von der das Material stammt, gründet Firmen, um sie dann an Anwälte oder Banken zu verkaufen. Riecht das nicht von vornherein nach windigen Geschäften?
Das ist jedenfalls schwer zu entkräften. Es geht ja nicht nur um Steuervermeidung, sondern auch um Geldwäsche und Bestechungsgelder. Also alles, was an strafbaren Tatbeständen im Finanzbereich denkbar ist. Zu ihrer Verschleierung eignen sich Briefkastenfirmen hervorragend.

Umso erstaunlicher, dass Briefkastenfirmen grundsätzlich legal sind.
Ich sehe hier ein Loch in der internationalen Zusammenarbeit. Jede kleine GmbH in Deutschland wird stärker kontrolliert als eine Briefkastenfirma in der Karibik. Da kennt man nicht einmal die Eigentümer.

Mit Wolfgang Gerke

sprach Stefan Vetter