" Danach lässt der 67-Jährige mit dem unverkennbar sächsischen Dialekt seinen Hund Cerry auf Kommando ins Mikrofon bellen - dieses tierische Erkennungszeichen des Fürstenwalders lässt auch den letzten "Jabba"-Fan die Ohren spitzen. Während Schneider per Mausklick den ersten Schlager abfährt, eilen diese aber nicht etwa zum Radio, sondern an den Computer.
Bei "Jabba" heißen die Hörer User und können mit ihm schriftlich kommunizieren. Jeden Freitag ab 20 Uhr und alle 14 Tage auch sonntags ab 15 Uhr geht er von seinem Arbeitszimmer inmitten einer Einfamilienhaus-Siedlung aus auf Sendung. Denn der Fürstenwalder ist Internet-Radiomoderator, einer der ersten in Brandenburg. "Das ist viel besser als herkömmlicher Rundfunk - ich bekomme sofort Reaktionen, merke, ob ich bei den Leuten auf offene Ohren stoße oder nicht."

"Morgenwecker" in Schwerin
Schneider, der sich im Internet nach dem Schlachtruf von Fred Feuerstein "Jabba daba du" benannte, muss es wissen. Hat er doch vor der Wende schon einmal bei Radio DDR in Schwerin eine eigene Sendung gehabt. "Ich war dort vertretungsweise der Morgenwecker." Aber eigentlich ist der gelernte Kraftwerker und studierte Elektronik-Datenverarbeiter Diskjockey. Über Jahrzehnte hat der gebürtige Leipziger in den nobelsten Interhotel-Bars und Tanzcafes Ostdeutschlands für Stimmung gesorgt und Platten aufgelegt. "Den Treff 71, den ich einst mit aufbaute, gibt es heute noch im Leipziger Ortsteil Gohlis. Ebenso die Neptun-Bar in Warnemünde", meint er stolz. Nach der Wende wollte sich Schneider selbstständig machen. Sein Lizenz-Antrag auf die Hörfunk-Frequenz 93,9 wurde aber erst nach vier Jahren genehmigt, "für mich viel zu spät".
Vom Mikrofon kam er dennoch nicht los. Im Dezember letzten Jahres ging "Jabba" erstmals im Alleingang mit dem Mikrofon ins Netz. Seine Weihnachts- und Silvestersendungen kamen an in der Internet-Welt, immer mehr User klinkten sich ein, durchschnittlich 20 bis 200. Dabei stieß er im Netz auf Gleichgesinnte und ist inzwischen einer von deutschlandweit sechs Moderatoren vom "Radio Sonnenschein", hat sogar schon einen eigenen Fanclub in Goslar.

Fans bis nach Australien
Das Spiel mit den Usern macht ihm hörbar Spaß. "Die Leute schreiben mir eine E-Mail, wünschen sich Musik." Oder aber er gratuliert flugs zu Geburts- sowie Hochzeitstag. "Manchmal muss ich sogar psychologisch arbeiten", meint er augenzwinkernd. Fans hat "Jabba" inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Australien oder den USA. "Jabba" im Internet: www.radio-sonnenschein.de