Bis Ende Juni muss der neue Staatschef feststehen, aber auch die Führung der Streitkräfte muss neu besetzt werden. Gemäß Verfassung übernahm Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski die Amtsgeschäfte des Staatschefs und ordnete eine einwöchige Staatstrauer an. Es gehe jetzt nicht um politisch links oder rechts - "wir sind in nationaler Trauer vereint", sagte er. Eigentlich sollte die Wahl des Präsidenten, der in Polen alle fünf Jahre direkt vom Volk bestimmt wird, im Oktober stattfinden. Komorowski muss nun binnen zwei Wochen einen Termin für die Präsidentenwahl festlegen, die in den 60 Tagen danach stattfinden muss - also bis Ende Juni. Der polnische Staatschef verfügt über erhebliche Vollmachten, ernennt die Regierung, kann Gesetze und internationale Verträge mit einem Veto blockieren und vertritt das Land auf internationalem Parkett.Unter den Todesopfern der Tragödie von Smolensk befanden sich neben dem Präsidentenehepaar Lech Kaczynski und Maria Kaczynska auch Vize-Parlamentspräsident Jerzy Szmajdzinski, Vize-Parlamentspräsident Krzysztof Putra, Vize-Senatspräsidentin Krystyna Bochenek, Zentralbankchef Slawomir Skrzypek, Generalstabschef Franciszek Gagor, Luftwaffenchef Andrzej Blasik, Marinechef Andrzej Karweta, der Chef der Spezialkräfte Wlodzimierz Potasinski, der Chef der Einsatzkräfte Bronislaw Kwiatkowski, der Katholische Militärpfarrer Bischof Tadeusz Ploski, der Orthodoxe Militärgeistliche Erzbischof Miron Chodakowski, der Leiter des Präsidentenbüros Wladyslaw Stasiak, der Leiter des Büros für nationale Sicherheit Aleksander Szczyglo, die Vizeminister Stanislaw Jerzy Komorowski (Verteidigung), Andrzej Kremer (Außen) und Tomasz Merta (Kultur) und Anna Walentynowicz, die Heldin der historischen Streikbewegung auf der Danziger Werft 1980. Darüber hinaus befanden sich noch weitere polnische Parlamentarier, Regierungsmitglieder und Repräsentanten verschiedener Kirchen und Verbände an Bord der Unglücksmaschine. AFP/roe