Herr Junghanns, Ihre Arbeit als Wirtschaftsminister wird seit Monaten von einem teilweisen unappetitlichen Streit in der Landes-CDU überlagert. Nervt Sie das?
Wir haben eine komplizierte Diskussion um die Nachfolge des Landesvorsitzenden in der Partei. Nerven ist nicht der richtige Begriff. Es war aber nicht immer förderlich, was geschehen ist. Umso mehr mache ich mich dafür stark, dass die Profilierung nicht innerhalb der CDU gegeneinander passiert, sondern sich die Brandenburger CDU gemeinsam für politische Ziele im Land profiliert.

Wie soll das in der Praxis aussehen?
Indem wir zurückfinden zum Wettbewerb um das bessere Führungskonzept, um die besseren Argumente für die Zukunft der CDU. Dazu will ich meinen Beitrag leisten. Ich sehe einen Sinn darin, die CDU personell und inhaltlich zu stärken.

Eigentlich hatte sich Parteichef Schönbohm ja einen anderen Fahrplan für die Nachfolgeregelung zurecht gelegt. Mit der E-Mail-Affäre, dem erzwungenen Rücktritt von Generalsekretär Petke aber hat sich die Choreografie geändert. Es hat den Anschein, dass in Wahrheit der ehemalige Generalsekretär den Takt für die Aufstellung des künftigen Landesvorstandes vorgibt. . .
Nein, das stimmt nicht. Die beschriebenen Umstände haben dazu geführt, dass es jetzt sinnvoll ist, die begonnene Programmarbeit auszusetzen und zunächst personelle Fragen zu klären. Denn es drohte die Situation, dass Sachentscheidungen von Personenfragen überlagert werden. Das war eine Entscheidung, die der Landesvorstand getroffen hat. Sie stellt die Führungskraft des Landesvorsitzenden und sein Interesse unter Beweis, schnell zur Sacharbeit zurückzukehren.

Ist es nicht trotzdem ein relativ schlechter Start für einen Kronprinzen, wenn er sich gegen teilweise massiven parteiinternen Widerstand durchsetzen muss und ihm die Rolle als Aufklärer der E-Mail-Affäre wie ein Kainsmal an der Stirn klebt?
Ganz im Gegenteil. Ich spüre in der Partei eine sehr große Aufgeschlossenheit mir gegenüber. In der CDU war man sehr an einer raschen Aufklärung interessiert. Und man ist daran interessiert, die Verantwortung zu bewerten. Aber intern. Ich habe bei meinen Gesprächen in den Gremien und Ortsverbände das große Verlangen gespürt, miteinander über die Sache zu reden und nicht durch die Medien. Die Zuspitzungen, die vor allem in den Medien getroffen wurden, charakterisieren nicht das Verlangen der großen Mehrheit der Mitgliedschaft.

Aber muss das nicht auf die Öffentlichkeit so wirken, als würden Streitigkeiten, die es ja zweifelsohne gibt, unter den Teppich gekehrt?
Wir müssen Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Das erreichen wir nur über Personen, ihre Haltung und ihren Politikstil. Deshalb ist es wichtig: Nach diesen intensiven Auseinandersetzungen wird nichts unter den Teppich gekehrt. Wir müssen etwas abtragen von dem Bild in der Öffentlichkeit, das uns in unserer politischen Handlungsfähigkeit schwächt.
Die Geschlossenheit, von der Ihre Partei redet, muss ja nicht nur bis zum Wahltag gelten, sondern auch danach. Sie können sich also vorstellen, loyal zu einem Parteichef Petke zu sein?
Ich bin angetreten, um CDU-Landesvorsitzender zu werden. Darüber muss die Partei mit ihren Delegierten entscheiden. Es gehört zu den Spielregeln der Demokratie, anschließend das Ergebnis zu akzeptieren.

Einige SPD-Koalitionäre denken derweil schon laut darüber nach, was passiert, wenn die CDU ihre Probleme nicht in den Griff bekommt. Finanzminister Speer spricht sogar von Koalitionsbruch für den Fall, dass Sven Petke neuer CDU-Chef wird. Auch Rot-Rot ist bereits in der Debatte. Wie wollen Sie Ihren Koalitionspartner davon überzeugen, dass all diese Gedankenspiele unnötig sind?
Nur durch eigene Stärke. Ich bin überzeugt, dass wir der beste Partner für die SPD sind. Deshalb will ich erreichen, dass sich die CDU durch mehr Stärke noch mehr in die Landespolitik einbringt. Allerdings sind manche Kommentierungen überflüssig wie ein Kropf. Da uns Herr Speer und die SPD nicht helfen können, sollten sie uns das selbst klären lassen.

Können Sie nicht nachvollziehen, dass sich die SPD schon mal vorsichtshalber nach einem anderen Partner umschaut„ Denn so attraktiv wirkt die CDU im Moment auch nicht.
Ich kann es ihr ja noch nicht einmal raten.

Wenigstens bei den Wirtschaftsansiedlungen gibt es die eine oder andere gute Nachricht. Tausend neue Jobs durch eine Solarfabrik in Frankfurt (Oder). Hilft Ihnen so etwas eigentlich in der gegenwärtigen Phase, da Sie sich auf zwei Hochzeiten bewegen müssen?
Die wirtschaftspolitischen Erfolge machen die Arbeit erkennbarer. Das hilft schon. Aber ich arbeite nicht auf solche Tage wie die Investitionsankündigung der Conergy AG hin. Mir geht es um das langfristige Ergebnis. Ich gebe aber zu: An einem solchen Tag fühle ich mich einfach wohl.

Mit ULRICH JUNGHANNS sprachen Tim Albert, Susann Michalk und Christian Taubert