Dabei handelt es sich bei ihm nicht um einen aufstrebenden, jungen Comedian, sondern um einen 82-Jährigen, heute in Israel lebenden Juden: Salomon Perel. Bekannt wurde er einem breiten Publikum in Deutschland durch die Verfilmung seines Buches "Ich war Hitlerjunge Salomon".
Seit 1991 unternimmt Sally, wie er sich selbst auch häufig nennt, Reisen quer durch Deutschland, um über seine Autobiografie, deren Verfilmung "Hitlerjunge Salomon", Rechtsextremismus und auch über den Nahost-Konflikt zu sprechen und zu diskutieren. In die Erzählungen über seine Kindheit und Jugend als Jude im nationalsozialistischen Deutschland fließen immer wieder Scherze und absurde Begebenheiten ein, die für Heiterkeit sorgen. Eine junge Frau bedankt sich am Ende bei Perel, dass es bewundernswert ist, wie er über seine Erlebnisse und Erfahrungen reden kann - und vor allem auch mit welchem Humor.

Glückliche Kinderjahre
Dabei hat Perel Dinge erlebt und Gefahren überstanden, die einem das Lachen vergehen lassen. Geboren 1925 im niedersächsischen Peine verlebt er dort mit seiner Familie zehn Jahre, die ihm noch heute das Gefühl geben, wenn er in Deutschland ist, gehe "ein wunderschöner Traum in Erfüllung". "Zehn glückliche Kinderjahre ohne Handy, Pokemon und McDonald's." Lachen im Saal. 1935, im Jahr der Verabschiedung der Nürnberger Rassengesetze, zog er mit seiner Familie in das polnische Lodz, 1939 bei Kriegsbeginn in das inzwischen von Stalin besetzte Ostpolen. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurde er von der deutschen Wehrmacht gefangen genommen, konnte aber seine jüdische Herkunft verschleiern und sich als Volksdeutscher ausgeben. Kurzzeitig für die Wehrmacht als Übersetzer tätig, wurde er dann nach Braunschweig auf eine Eliteschule der Hitlerjugend geschickt. Diese vier Jahre dort prägten seine Zukunft. "Ich werde mein Leben lang diesen Hitlerjungen nicht los. Ich liebe ihn auch", sagt er vor den überwiegend weiblichen Cottbuser Jugendlichen.
Noch heute führe er ein Doppelleben, räumt er ein. "Mein ganzes Leben muss ich mich damit auseinandersetzen", beschreibt er den Zwiespalt seiner Existenz: Einerseits Jude. "Der Jude als Satan", mit diesem Teil der nationalsozialistischen Ideologie habe er sich nie anfreunden können. Andererseits Hitlerjunge, "auch mich hat das alles überzeugt", bekennt er. Stille im Saal.
Diese Verbindung zur Hitlerjugend macht ihn auch, wie er erzählt, interessant für deutsche Neonazis, mit denen er immer wieder das Gespräch sucht. Diese seien tief in ihrer Ideologie verfangen. "Auschwitz wurde nur für Touristen gebaut, es wurde ja nur eine Million Juden umgebracht", bekomme er zu hören. Dennoch geht er aus solchen Diskussionen mit der Hoffnung hinaus, wenigstens "einen Samen der Vernunft" hinterlassen zu haben.

Schuld ist nicht erblich
Bei den Cottbuser Schülerinnen und Schülern, vor und mit denen er gestern sprach, kann er dagegen bereits die Früchte vorangegangener Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und aktuellem Rechtsex tremismus sehen. Dabei spricht er die Jugendlichen frei von Schuld: "Ich habe der heutigen deutschen Jugend nichts zu verzeihen." Schuld sei nicht erblich. "Ich komme aber hierher, um mit der Wahrheit den Verstand zu erleuchten", sagt er in pathetischen Worten. Jugend, die nicht kritisch denkt, sei leicht zu programmieren, gibt er eigene Lebensweisheit weiter.
Wie schwierig dies zuweilen ist, demonstriert offenbar unfreiwillig eine junge Frau, die eine Frage zum Rechtsextremismus in Deutschland stellt. Auf ihrem Sweat-Shirt prangt gut lesbar der Name einer Marke, die von rechtsextremistisch orientierten Jugendlichen gern als äußeres Zeichen ihrer Gedanken getragen wird. Perels Antwort: "Randgruppen hat es immer gegeben. Das sollen sie aber auch bleiben."