Jetzt schickt sich die israelische Außenministerin an, die einflussreichste Frau in Israel seit Ministerpräsidentin Golda Meir (1969-74) zu werden. Anders als andere führende Politiker in Israel trägt Liwni keine Altlasten mit sich herum. Sie ging erst 1999 in die Politik - als Knesset-Abgeordnete der rechtsgerichteten Likud-Partei. Heute präsentiert sie sich als "Sauberfrau" und als neuer Politikertyp. "Der Staat hat Visionen und Werte, an die nicht nur seine Bürger, sondern auch seine Führer gebunden sind", lautet eines ihrer Credos.

Kellnerin, Agentin, MinisterinKritiker bespötteln sie als "Heilige Zipi". Vielen Israelis ist das Gesicht Liwnis zwar bekannt, aber die Person Liwni fremd. Die Tageszeitungen "Haaretz" und "Jerusalem Post" sprechen von einem "Liwni-Paradox": "Das Land liebt sie, wenn auch nur, weil es so wenig über sie weiß." In einem Interview mit dem "New York Times Magazine" plauderte die verheiratete Mutter von zwei Söhnen etwas über die private Zipi, die ihren Weg von einer Kellnerin, Geheimdienstagentin, Anwältin bis zur Ministerin machte: "Ich ziehe Jeans einem Kostüm vor, Sneaker den Stöckelschuhen und Märkte den Einkaufszentren. Ich liebe keine Förmlichkeiten."

Sollte sich Liwni nun auch bei der Regierungsbildung gegen die Männerriege durchsetzen, wäre sie erst die zweite Ministerpräsidentin in der 60-jährigen Geschichte des Staates Israel. Dennoch verbindet sie nichts mit der ersten Regierungschefin. "Ich habe keine Vorbilder. Und ich bewundere sicherlich nicht Golda", sagte sie der Zeitung "Jediot Achronot". Golda Meir gehörte zur Arbeitspartei, während Zipora, wie der biblische Vorname Liwnis vollständig lautet, in einer bekannten rechtsgerichteten und zionistischen Familie aufwuchs.

Ariel Scharon als MentorHeute fühlt sich Liwni in der politischen Mitte angekommen. Gemeinsam mit ihrem politischen Mentor, dem ehemaligen Ministerpräsident Ariel Scharon, hatte sie im November 2005 die rechtsgerichtete Likud-Partei verlassen und Kadima (Vorwärts) gegründet. Nachdem Scharon Anfang Januar 2006 einen Schlaganfall erlitt, ernannte der damals amtierende Ministerpräsident Ehud Olmert den "Shooting Star" in der israelischen Politik am 18. Januar zur Außenministerin - der zweiten Frau auf diesem Posten seit Golda Meir.

Ziele und Mittel definierenUnerfahren, unentschlossen, illoyal, führungsschwach und in Sicherheitsfragen zu unbedarft, lauteten die Vorwürfe ihres wichtigsten parteiinternen Herausforderer, Transportminister Schaul Mofas. Liwni konterte, dass sie mit Olmert und Verteidigungsminister Ehud Barak zu den drei Personen gehöre, die alle "harten und schwierigen Entscheidungen" treffen müssen. "Sicherheit ist nicht nur eine Frage, ob es Militäroperationen gibt oder nicht", belehrte sie Anhänger einer Haudrauf-Politik. "Der Ministerpräsident muss die Ziele Israels definieren und die Mittel, wie diese erreicht werden können - sei es durch den Einsatz von Militärgewalt oder diplomatische Optionen."

US-Außenministerin Condoleezza Rice nannte Liwni in einer Laudatio für das "Time"-Magazin eine Frau mit Überzeugung und Intelligenz sowie eine Frau des Friedens. Stundenlang hätten sie frei, offen und manchmal auch kampflustig über Ideen gestritten.