Militärsanitäter bringen auf dem Militärflugplatz in Ramstein einen verletzten amerikanischen Soldaten in einen Ambulanzbus. Der Soldat wird später im Krankenhaus Landstuhl behandelt.Die beiden US-Soldaten tragen blaue Schlafanzüge, darüber Morgenmäntel. Der eine hält seinen zerschossenen, bandagierten Arm in die Kameras, der andere sein vergipstes Bein. Der Dritte im Bunde trägt Uniform, er spricht über die Schusswunde in seiner linken Hand: "Ich dachte, ich müsste sterben, als eine Kugel durch meine Hand ging und ganze Nervenbahnen zerstörte", sagt der 21-jährige Joshua Menard aus Houston im US-Bundesstaat Texas, der nach seinem Kriegseinsatz im Irak nun in Deutschland behandelt wird.
Im US-Militärhospital Landstuhl berichten Menard und seine beiden Kameraden erstmals über ihre Kriegserfahrungen und erzählen von den Kämpfen um die südirakische Stadt Nasirija. Uniformierte US-Armeeangehörige weichen ihnen dabei nicht von der Seite. "Irakische Soldaten haben uns in einem Hinterhalt überfallen und auf uns geschossen", fährt Menard fort. Die Männer seien als Zivilisten verkleidet gewesen und hätten plötzlich losgefeuert. "Keine militärische Ausbildung kann dich jemals wirklich auf das vorbereiten, was im Kampf auf dich zukommt", sagt der junge Soldat. Der Widerstand der Iraker sei größer als erwartet. Nach den Berichten über den Golfkrieg habe er damit gerechnet, dass sich "die Iraker wie damals" freiwillig ergeben.
Der Infantrist Jamie Villafane (31) aus Long Island im US-Staat New York schildert, wie er in einem Truck über eine Brücke in Nasirija fuhr. Auch er habe Zivilisten gesehen. "Sie benahmen sich ein bisschen merkwürdig und eröffneten plötzlich das Feuer", so Villafane. Der Druck einer explodierenden Rakete habe ihn aus dem Truck gefegt. Sein Kamerad Charles Horgan (21) aus Helena/Montana erzählt, wie er wenig später von Villafane geborgen wurde. "Ich hatte mir beim Sprung aus dem Truck den Fuß gebrochen, ich habe noch nie solche Schmerzen gehabt."
Während er erzählt, sitzt er wie seine Kameraden vor einer amerikanischen Flagge. Er liebe sein Land und hoffe, trotz des zertrümmerten Fußes Soldat bleiben zu können. "Ich bin in den Krieg gegangen, um meinem Land zu dienen, aber auf dem Feld ging es nur noch darum, meine Kameraden zu schützen und zu retten", betont Horgan. "Es ist wie ein Kinofilm, nur die Musik fehlt." Der junge Mann nutzt die Fernsehkameras, um Grüße nach Hause zu schicken.
In Landstuhl kommen fast täglich neue Krankentransporte an. 120Ärzte und noch mehr Pflegekräfte kümmern sich um die Patienten. Viele Verletzte werden für die Weiterreise in die USA vorbereitet, wo sie physiotherapeutisch behandelt werden sollen. Während die Kämpfe im Irak weiter gehen, hoffen die Soldaten im größten US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA auf rasche Genesung - wie Infantrist Villafane: "Wir sind da, um das irakische Volk von einem Unrechtsregime zu befreien." Allerdings ließen nach seiner Erfahrung überraschend viele Iraker den Willen zur Freiheit nicht erkennen. Zurück in den Krieg will er ebenso wenig wie seine beiden Kameraden. "Ich habe genug, will nur zu meiner Frau und meinen Kindern."