Sie strahlt, ist bestens gelaunt und sichtlich motiviert. Bei ihrem ersten Besuch als neue US-Außenministerin bei der EU betritt Hillary Clinton voller Elan das glänzende Gebäude des Europaparlaments. Den applaudierenden Zuschauern winkt sie kurz zu. Dann verschwindet sie auch schon mit ihrem Gastgeber, Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering (CDU), zu einer Diskussionsveranstaltung der besonderen Art. Gut 400 junge Europäer warten mit ihren Fragen auf sie. Für sie nimmt sich Clinton Zeit, bevor es weiter geht zu Treffen mit Europas Spitzenvertretern wie dem EU-Chefdiplomaten Javier Solana. Es sei ihr ausdrücklicher Wunsch gewesen, gleich bei ihrem Antrittsbesuch mit der "nächsten Generation von Europäern" zu sprechen und ihnen vor allem zuzuhören, sagt Clinton. Immerhin gehe es bei all ihrer Arbeit um die Zukunft der Jugend. Der Termin hat Symbolkraft für den Neubeginn, den sich nicht nur die Europäer von der neuen US-Regierung unter Präsident Barack Obama wünschen. Und die hat sich den Dialog und das Zuhören groß auf die Fahnen geschrieben. Wirtschaftskrise, Klimawandel, Terrorismus und der Nahost-Konflikt - das sind die Themen, die die Jugendlichen bewegen. Organisiert hatten das Treffen das Europäische Parlament und die US-Vertretung bei der EU. Doch bevor es Antworten gibt, schwärmt Clinton erst einmal von Europa. "Die Einheit dieses großen Experiments ist in der Tat beeindruckend für diejenigen, die es von der anderen Seite des Atlantiks beobachtet haben." Die Ministerin zeigt sich begeistert von dem "Miracle of Europe" (Wunder von Europa). Auch Pöttering sprüht vor Bewunderung - für Hillary Clinton. In Krisenzeiten brauche man starke Führungspersonen. "Sie sind eine solche Führungsperson", sagt der Politiker, der die Gattin von Ex-US-Präsident Bill Clinton und damit frühere "First Lady" für ihr Engagement und zudem als Vorbild und Inspiration lobt. Dann geht die Fragerunde los. Clinton klingt versöhnlich, etwa mit Blick auf den Friedensprozess im Nahen Osten: "Wir müssen die israelische Sicherheit unterstützen, aber gleichzeitig auch das Bestreben der Palästinenser nach einem Staat anerkennen." Die Wirtschaftskrise müsse als Chance gesehen werden, um in erneuerbare Energien zu investieren. Wichtig sei es, auch aufstrebende Länder wie China, Indien und Indonesien für den Klimaschutz zu gewinnen. Ohne sie werde es schwierig. Wer eine Frage stellen will, wird von Pöttering aufgerufen. Nur einmal fällt Clinton ein junger Mann im Podium auf. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: "I love Hillary". "Ich muss diesen jungen Mann aufrufen." Das Gelächter ist groß. Der moldawische Schwulenaktivist Marc will wissen, ob sich die neue US-Regierung mehr gegen Diskriminierungen von Homosexuellen einsetzen wird als die Regierung von George W. Bush. "Wir nehmen das Problem sehr ernst", versichert Clinton. Sie wolle erleben, dass die Menschenrechte für jeden gelten - "egal, wen die Person liebt". Pöttering schmeichelt der 61-Jährigen: "Sie sind in einer solch guten Form, dass Sie die Entwicklung auch erleben werden." Schon wieder lautes Lachen. Nach einer guten halben Stunde ist die Diskussionsrunde auch schon vorbei - mit herzlichem Applaus wird Clinton verabschiedet.