Da helfen keine sozialen Projekte mehr", sagte Staatskanzleichef Hermann Winkler gestern im Landtag. Wenn junge Männer Polizisten mit Schreckschusspistolen bedrohten, höre der Spaß auf. Zugleich wiederholte er seine Idee, "unkooperative Vereine" künftig an den Kosten für Polizeieinsätze zu beteiligen. Es sei dem Steuerzahler nicht zumutbar, dass jedes Wochenende Hunderte Polizisten Spiele absichern müssen und anderswo vielleicht fehlen.
Hintergrund der Debatte waren die Krawalle nach dem Spiel von Lok Leipzig gegen die 2. Mannschaft von Wismut Aue am 10. Februar in Leipzig. Damals standen rund 800 Hooligans bei einer Straßenschlacht 300 Polizisten gegenüber, 39 Beamte wurden verletzt. Am 25. Februar hatten angebliche Fans Spieler von Dynamo Dresden beschimpft und bedroht. "Das, was bei Lok Leipzig und bei Dynamo Dresden in den vergangenen Wochen geschehen ist, war absolut inakzeptabel, beschämend und ist durch nichts zu rechtfertigen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Andrè Hahn.

Für stärkere Fanprojekte
Zugleich sprachen sich die Linkspartei.PDS und die Grünen für eine Stärkung der Fanprojekte aus. Sie erinnerten daran, dass nicht nur die Symptome bekämpft werden müssen, sondern auch die Ursachen der Gewalt. Als Beleg wurden die soziale Situation und fehlenden Perspektiven vieler junger Menschen angeführt. "Strafen müssen die tatsächlichen Täter treffen. Täter sind aber nicht die Vereine und auch nicht die übergroße Mehrheit der friedlichen Fans, sondern vergleichsweise kleine Gruppen von gewaltbereiten Chaoten", betonte Hahn.
Stefan Brangs vom CDU-Koalitionspartner SPD monierte, dass Sachsen neben Baden-Württemberg das einzige Bundesland ist, das Fansozialarbeit nicht direkt mit Landesmitteln fördert. Die SPD wolle mehr Fansozialarbeit durch eine Beteiligung des Landes an der Finanzierung und Investitionen in die Sicherheit von Sportstätten. Winkler kündigte an, dass "vernünftige Projekte, die bezahlbar und machbar sind", mit Hilfe rechnen können.

Erste Anklagen erhoben
Nach den schweren Fußballkrawallen am Rande eines Landespokalspiels in Leipzig haben die Ermittlungsbehörden nun erste Anklagen erhoben. Ein 32-jähriger und ein 34-jähriger Leipziger müssen sich wegen Landfriedensbruchs im besonders schweren Fall und wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten, wie die Staatsanwaltschaft am Freitag in Leipzig mitteilte. Gegen 24 weitere Tatverdächtige seien die Ermittlungsverfahren noch nicht komplett abgeschlossen.
Nach Polizeiangaben stammen alle Tatverdächtigen aus Leipzig und aus dem Umfeld der Stadt. Sie seien zwischen 18 und 45 Jahren alt. Viele von ihnen seien polizeibekannt, unter anderem aus der Datei Gewalttäter Sport. Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen seien bislang 93 Hinweise eingegangen. Die Polizei suche nach weiteren Zeugen, insbesondere zu einem Übergriff mit einer Schreckschusspistole auf einen Beamten. 17 der 26 Ermittlungsverfahren seien abgeschlossen.
Den beiden tatverdächtigen Leipzigern wird laut Staatsanwaltschaft vorgeworfen, am 10. Februar aus einer Gruppe gewalttätiger Randalierer heraus Steine auf Polizisten geworfen zu haben. (dpa/ddp/mb)