Wie war das Jahr 2006 für den deutschen Film„
Das Jahr ist noch nicht zu Ende, aber man kann schon jetzt sagen: Es wird eines der erfolgreichsten für den deutschen Film. Wir erwarten einen Marktanteil von über 20 Prozent in den Kinos. Das wäre ein sensationeller Fortschritt.

Worin sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung“
Es gibt gute Drehbücher, gute Regisseure, gute Schauspieler und vor allen Dingen Themen, die die Menschen ansprechen. Das beste Beispiel ist "Das Leben der anderen". Der deutsche Film kann sich auch im internationalen Vergleich qualitativ voll messen.

Auch wirtschaftlich„
Die Bedingungen für die Produzenten in Deutschland waren bisher schlechter als in anderen Ländern. Wir sind stolz, dass wir nun zum 1. Januar ein effizientes Produktionskosten-Erstattungsmodell einführen. Produktionsunternehmen mit Sitz in Deutschland werden dann jährlich mit 60 Millionen Euro unterstützt. Das macht sie international wettbewerbsfähiger, und das wird auch helfen, die Studios in Deutschland besser auszulasten.

Aber die Subventionen sollten doch abgebaut werden.
Kultur kann sich ohne Unterstützung nicht entfalten, das gilt auch für den Film. Das ist in der ganzen Welt so. Im Übrigen müssen wir eines sehen: Ausgaben des Staates für Kultur sind keine klassischen Subventionen, sondern Investitionen in die Zukunft.

Wird die EU die neue Förderung nicht als staatlichen Eingriff in den freien Wettbewerb ablehnen“
Wenn sie eine reine wirtschaftliche Subvention wäre, würde sie sicher nicht genehmigt. Deshalb haben wir die Förderung mit einem Kultur-Eignungstest verbunden, der unbürokratisch erfolgen wird. Die Produzenten beantworten einen entsprechenden Fragebogen, der mit einem Punktesystem ausgewertet wird. Daraus ergibt sich, wie stark die kulturellen Aspekte den Film prägen. Ich bin mir sicher, dass die Förderung auf dieser Basis in Brüssel genehmigt werden wird.

Gegen Hollywood kann weder der deutsche, noch der französische oder italienische Film allein bestehen. Müsste der europäische Film gestärkt werden„
Den europäischen Film als solchen gibt es gar nicht. Es gibt Filme aus Europa. Was sie ausmacht, sind die kulturellen und regionalen Bezüge, das ist auch eine prägende europä ische Identität, die im Kern die Vielfalt in Europa widerspiegelt. Richtig ist, dass wir die Produzenten und ihre Marktchancen stärken müssen. Das lässt sich vor allem durch Co-Produktionen erreichen. "Das Parfüm" hat gerade auch mit Blick auf seine internationalen Partner überall in Europa Erfolg. In diese Richtung muss man noch mehr als bisher gehen. Hollywood hat ja nicht etwa die besseren Schauspieler oder bessere Regisseure. Es hat aber den Vorteil eines großen englisch-sprachigen Marktes und das Kapital, das dahinter steht. Also muss man auch in Europa durch Zusammenarbeit mehr Gewicht auf die Waagschale legen.

Qualitätskinos sterben weiter. Was kann man dagegen tun“
In den letzten Monaten ist diese Entwicklung zum Stillstand gekommen, aber der langfristige Trend ist leider so. Das hat auch mit verändertem Freizeitverhalten zu tun. Aber das Kino ist nicht am Ende, sondern sehr lebendig. Wir sprechen mit den Kinobetreibern intensiv über die Situation. Bei der Novellierung des Filmförderungsgesetzes im nächsten Jahr wird die Förderung der Kinos ein sehr zentrales Thema sein.

Mit BERND NEUMANN sprach Werner Kolhoff