Mehr als die Hälfte der Dresdner wären einer Studie zufolge einverstanden mit einer Flüchtlingsunterkunft in ihrer Nachbarschaft. In der sächsischen Landeshauptstadt, in der das fremden- und islamfeindliche Pegida-Bündnis derzeit wieder Zulauf hat, zeige die Mehrheit der Befragten Verständnis für Asylsuchende, ergab eine Untersuchung der Technischen Universität Dresden. Soziologen der Hochschule stellten sie am Mittwoch in Dresden vor. "Aber die Spaltung ist da", sagte Studienleiter Stefan Fehser. Denn etwa jeder fünfte Teilnehmer äußere deutliche Abneigung gegen Asylsuchende (20,4 Prozent).

Die Forscher befragten im Juni 421 Dresdner, knapp 220 davon konkret zu ihrer Einstellung zu Asylsuchenden. "Wir haben zufällig Menschen ausgewählt, deren Aussagen eine repräsentative Stichprobe ergeben", erklärt Fehser. Damit sei die Studie im wissenschaftlichen Sinne repräsentativ, auch wenn die dafür häufig gesetzte Schwelle von 1000 Teilnehmern nicht erreicht ist.

Die Inhalte von Pegida finden bei der Dresdner Bevölkerung den Forschern zufolge wenig Zuspruch. Nur zwölf Prozent von 421 Befragten stimmten den Positionen des Bündnisses zu, davon 2,3 Prozent vollständig.

Mehr als 60 Prozent lehnten die Inhalte von Pegida ab. "Das Tagesaktuelle hat unsere Ergebnisse nicht verfälscht", sagte Fehser über die Auswirkungen der gegenwärtigen Stimmung auf die Untersuchungsergebnisse. "Wir haben herausgefunden, worauf man bauen kann in der Bevölkerung." Die Mehrzahl der knapp 220 konkret zu Asylbewerbern befragten Dresdner stimmte den Aussagen zu, dass sie Asylsuchende nicht als Bedrohung für die Kultur wahrnehmen (56,4 Prozent) und einverstanden wären, wenn in ihrer Nachbarschaft ein Wohnheim für Asylsuchende entstehen würde (52 Prozent).

Allerdings sind auch fast die Hälfte der Befragten der Meinung, dass Deutschland strenge Regeln bei der Aufnahme von Asylsuchenden haben sollte (48,1 Prozent). Insgesamt stünden rund 41 Prozent dieser Teilnehmer für eine offene Willkommenskultur, schreiben die Forscher.

Die Soziologen haben sich auch über die Gründe dafür Gedanken gemacht, dass ein Fünftel der Bürger eine asylfeindliche Haltung zeigt. "Wir vermuten, dass hinter der Ablehnung ein gewisser Autoritarismus steckt, dass also demokratische Verhaltensweisen fehlen", erklärte Fehser. "Das führt dann zu einer Abwertung von Gruppen wie eben Asylsuchenden."

Besondere Bedeutung haben laut Studie diejenigen, die noch unentschieden sind oder eine geteilte Meinung haben. Dazu gehörten knapp 40 Prozent der Befragten - fast ebenso viele Menschen wie jene, die Sympathie zeigen. "Politik und Zivilgesellschaft werden sich um diese Menschen bemühen müssen", schreibt Fehser. Es gelte, sie einzubinden, ihnen die Situation der Asylsuchenden transparent zu machen und sie politisch zu bilden.

"Niemand wird aufgrund einer einzelnen Aussage pauschal beurteilt", heißt es in der Studie. Äußere sich jemand aber durchgehend feindlich oder freundlich zu Asylsuchenden, sei eine Kategorisierung legitim.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Alter und Bildungsstatus einen Unterschied machen, Geschlecht oder Wohlstand aber nicht. Je jünger die Befragten waren, desto wohlwollender äußerten sie sich gegenüber Asylbewerbern. Rund die Hälfte der 16- bis 25-Jährigen zeigten Sympathie und rund neun Prozent zeigten sich feindlich. Bei den Menschen über 60 waren weniger als ein Drittel positiv eingestellt, rund jeder Fünfte ablehnend.

Auch von den Umfrage-Teilnehmern mit Hochschulabschluss hatten fast die Hälfte asylfreundliche Einstellungen; nur etwa 13 Prozent zeigten eine negative Haltung gegenüber Geflüchteten. Von jenen ohne universitären Abschluss waren es fast 31 Prozent.