Der von Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) verhängte Aufnahmestopp bringt die umstrittene Jugendhilfeeinrichtung "Haasenburg" mit Heimen in Jessern, Müncheberg und Neuendorf unter wirtschaftlichen Druck. Wie "Haasenburg"-Sprecher Hinrich Bernzen jetzt mitteilte, sei in Kürze mit betriebsbedingten Kündigungen zu rechnen. Die Einrichtung beschäftigt rund einhundert Mitarbeiter.

Zur Anzahl der betroffenen Jobs wollte Bernzen noch nichts sagen: "Das Personal muss der Belegungsstärke angepasst werden." Zurzeit seien viele Bewohner der "Haasenburg"-Heime in der Ferienbeurlaubung. Danach werde sich zeigen, wie viele davon in die Einrichtung zurückkehrten, so Bernzen. Außerdem sei die weitere Auslastung davon abhängig, ob der vom Ministerium verhängte Belegungsstopp einer Prüfung im einstweiligen Rechtsschutzverfahren standhält. Dass eine entsprechende Klage beim Verwaltungsgericht Cottbus eingegangen ist, bestätigte ein Gerichtssprecher.

Das Gericht hat inzwischen das Bildungs- und Jugendministerium aufgefordert, sich zu dem Eilantrag der Haasenburg GmbH zu äußern. "Es ist gut, dass das Verwaltungshandeln gerichtlich überprüft wird", sagte Antje Grabley, stellvertretende Ministeriumssprecherin. Die "Haasenburg" war vor einem Monat durch Medienberichte über mutmaßliche Misshandlung und Erniedrigung von Bewohnern in die öffentliche Kritik geraten. Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt zu den Vorwürfen, die meist länger zurückliegen. Ein Untersuchungsausschuss des Landtages hat seine Arbeit aufgenommen.

"Haasenburg"-Sprecher Bernzen ist überzeugt, dass viele Jugendämter aus ganz Deutschland ihre Zusammenarbeit mit dem Betreiber geschlossener Jugendheime fortsetzen werden, wenn der Belegungsstopp aufgehoben würde. Auslöser der Entscheidung, vorerst keine Neuaufnahmen zu gestatten und drei Mitarbeiter vorläufig zu suspendieren, waren Aussagen von drei kürzlich aus der "Haasenburg" entwichenen 15- und 16-Jährigen.

Ministeriumssprecherin Antje Grabley verwies darauf, dass zwei der Jugendlichen vom Ministerium befragt wurden und dabei die Vorwürfe gegen drei Mitarbeiter des Jugendheims aufrecht erhalten hätten. Der zuerst befragte Junge, dessen Angaben Auslöser für die Suspendierung der "Haasenburg"-Mitarbeiter waren, habe als Zeuge gesagt, was anderen Jugendlichen passiert sein soll.

Der zweite Jugendliche habe dem Ministerium gegenüber berichtet, wie es ihm selbst bei einer sogenannten Anti-Aggressions-Maßnahme ergangen sei. Andere Vorwürfe kannte er nur aus den Erzählungen Dritter.

Der dritte Jugendliche, der aus dem "Haasenburg"-Heim ausgerissen ist, sei immer noch flüchtig. Mittlerweile habe der Heimträger deswegen eine Vermisstenanzeige gestellt, so die Ministeriumssprecherin.