Herr Bosbach, im Fall der ermordeten Polizistin widerspricht der Stiefvater deutlich dem Bundeskriminalamt. Hat das BKA vorschnell eine Verbindung zur rechten Terrorzelle konstruiert?

Zum jetzigen Zeitpunkt kann man das noch nicht abschließend beurteilen. Jedenfalls ist der Unterschied zwischen den uns am Montag erteilten Informationen und den aktuellen Angaben des Stiefvaters erheblich und wir können nur hoffen, dass möglichst rasch der wahre Sachverhalt festgestellt wird. Auch damit es nicht weitere Spekulationen gibt. BKA-Chef Ziercke hat im Ausschuss darum gebeten, dass man zunächst das vollständige Ermittlungsergebnis abwartet, bevor man eine endgültige Bewertung vornimmt. Dem kann ich nur zustimmen.

Das BKA hat aber Schlüsse gezogen. Könnte das am Druck auf die Ermittler liegen, nach vielen Pannen rasch Ergebnisse zu liefern?

Stand heute wissen wir noch nicht definitiv, welche Angaben stimmen. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass uns Herr Ziercke bewusst falsch oder unvollständig unterrichtet hat. Die Ermittler tragen jetzt auf zwei Schultern. Einerseits wird von ihnen wegen des großen öffentlichen Interesses verlangt, dass sie möglichst rasch viele Ermittlungsergebnisse präsentieren, andererseits müssen sie 13 Jahre Tag für Tag rekonstruieren und alle Tatkomplexe möglichst vollständig aufklären – und das dauert. Gerade wegen der Bedeutung des Sachverhaltes muss Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehen.

Warum ist nach dem Mord in Heilbronn 2007 die Thüringer Spur nicht bekannt geworden?

Bis jetzt wissen wir nur aus den Medien, welchen Hinweisen und Spuren die zuständigen Polizeibehörden nach dem Mord in Heilbronn 2007 nachgegangen sind.

Auch deshalb gibt es bereits in der kommenden Sitzungswoche eine weitere Sondersitzung des Innenausschusses, bei der wir insbesondere die Vertreter der betroffenen Landeskriminalämter hören wollen.

Wir möchten ihnen die Gelegenheit geben, ihre Sicht der Dinge unmittelbar dem Innenausschuss vorzutragen, damit wir nicht auf Informationen aus zweiter Hand angewiesen sind. Dabei soll auch so weit wie möglich geklärt werden, wie es zu den unterschiedlichen Angaben zwischen den beteiligten Personen und Institutionen über den möglichen Tathintergrund kommen konnte.

Nun heißt es, Mundlos und Böhnhardt hätten versucht, die Polizei aus ihrem Wohnmobil zu beschießen, doch die Maschinenpistole habe nicht funktioniert. Können Sie das bestätigen?

Nein, das kann ich nicht bestätigen. Uns wurde in der Sitzung berichtet, vor dem Zugriff seien von außen Plopp-Geräusche zu hören gewesen. Von einem direkten Angriff mit Schusswaffen auf anrückende Polizisten war zu keiner Zeit die Rede.

Wer trägt die Haupt-Verantwortung für die Fülle von Fehlern?

Genau das soll ja im Zuge der umfangreichen Ermittlungsarbeit, an der über 300 Ermittler des BKA beteiligt sind, geklärt werden. Über manche Sachverhaltsdarstellungen gab es im Ausschuss, zurückhaltend formuliert, großes Unverständnis. Beispielsweise bei der Mitteilung, dass man nach dem Waffen- und Sprengstofffund in der Garage die Verdächtigen zumindest nicht vorläufig festgenommen hat. Den Bundesbehörden wurde in dieser Sitzung allerdings kein Vorwurf gemacht, dies gilt sowohl für den Verfassungsschutz als auch für den Generalbundesanwalt und das BKA.

Uns wurde berichtet, dass das BKA seinerzeit ausdrücklich angeboten hatte, die Ermittlungen zentral zu führen. Dies wurde jedoch von den beteiligten Landeskriminalämtern nicht gewünscht. Da es dem Generalbundesanwalt aus Rechtsgründen nicht möglich war, die verschiedenen Ermittlungsverfahren an sich zu ziehen, ist es bei der dezentralen Bearbeitung geblieben. Allerdings muss man fairerweise hinzufügen, dass auch eine Ermittlungsübernahme durch das BKA keineswegs garantiert hätte, dass die Taten rascher aufgeklärt und die Täter früher hätten enttarnt werden können.