Neun Monate nach dem verheerenden Zugunglück von Bad Aibling hat der Fahrdienstleiter zum Prozessauftakt schwere Fehler eingeräumt. Er habe ein Sondersignal gegeben, das er nicht hätte geben dürfen, und einen Notruf falsch abgesetzt, ließ der Angeklagte gestern über seine Anwältin mitteilen.

In einer persönlichen Erklärung richtete sich der 40-Jährige vor dem Landgericht Traunstein mit belegter Stimme an die Angehörigen der zwölf Toten: "Ich weiß, dass ich da am 9. Februar mir große Schuld aufgeladen habe", sagte er und blickte dabei in den Zuschauerraum. Seinen Fehler könne er nicht mehr rückgängig machen. "Ich möchte Ihnen sagen, dass ich in Gedanken bei Ihnen bin."

Weiter wollte er sich nicht zum Tag der Katastrophe äußern - auch nicht zum Vorwurf der Staatsanwaltschaft, er sei durch ein Handyspiel abgelenkt gewesen. Nach Angaben seiner Verteidiger umfasst das Geständnis aber auch die Handynutzung.

Den Ermittlungen zufolge spielte der Fahrdienstleiter regelmäßig im Dienst auf seinem Smartphone, obwohl das verboten ist. "Er hat nahezu jedes Mal gespielt", sagte ein Polizeibeamter vor Gericht. Es gebe viele zeitliche Übereinstimmungen seiner Smartphone-Nutzung mit seinen Dienstzeiten.

Das Urteil soll am 5. Dezember verkündet werden. Die Höchststrafe für fahrlässige Tötung beträgt fünf Jahre.

Zum Thema:
"Die private Nutzung des Smartphones während der Arbeitszeit ist grundsätzlich immer verboten", warnt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Arbeitszeit sei Arbeitszeit. Bevor sie zum Handy greifen, sollten Mitarbeiter mit dem Chef geklärt haben: Was ist in meiner Firma in Bezug auf das Smartphone erlaubt? Und gibt es eine klare Weisungslage? Hat der Arbeitgeber die private Handynutzung während der Arbeitszeit ausdrücklich verboten und verstoßen Mitarbeiter dagegen, können sie auch schon beim ersten Verstoß abgemahnt werden. Häufig ist es jedoch so, dass es keine klare Weisungslage gibt. In diesem Fall dürfen Mitarbeiter davon ausgehen, dass es bei sozialadäquater Nutzung des Smartphones während der Arbeitszeit erst einmal keinen Ärger gibt. Sozialadäquat ist zum Beispiel, kurz seine SMS oder E-Mails zu checken. Doch auch hier gilt: "Macht das jemand exzessiv und stundenlang, kann das auch beim ersten Mal eine Kündigung ohne vorherige Abmahnung rechtfertigen", sagt Oberthür. dpa/bl