Vier Solistenstellen sind dem Rotstift zum Opfer gefallen. Der Chor ist verkleinert worden. Zwar hat sich nicht die Anzahl der Vorstellungen verringert, aber es werden jetzt andere Werke mit kleinerer Besetzung aufgeführt. Das Orchester hat nur noch ein Viertel seiner ehemaligen Größe, ist von einem A- zu einem B-Orchester geschrumpft.
Das traditionsreiche Mecklenburgische Staatstheater Schwerin hat schon 2001 die Rosskur einer Umwandlung in eine GmbH hinter sich gebracht.
Das drittälteste Orchester Deutschlands, die „Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin“ , kocht inzwischen auf Sparflamme. Zu chor- und orchesterintensiven Opern werden Gast-Musiker verpflichtet. „Wir versuchen, alles noch etwas einfacher und kostengünstiger umzusetzen“ , heißt es, nachdem bereits Dutzende Stellen gestrichen worden sind.

Am Tropf der Subventionen
Es ist wie überall: Das Theater hängt trotz Umwandlung in eine GmbH und Personalkürzungen nach wie vor am Subventionstropf. 15 Prozent des Etats über den Verkauf von Eintrittskarten einzunehmen, gilt bereits als großer Erfolg. Die Schweriner Staatstheater-GmbH muss aber schon bald das volle Beschäftigungsrisiko ihrer Angestellten selbst übernehmen. Die Stadt hat nicht nur ihre Verantwortung dafür im Personalüberleitungsvertrag zeitlich begrenzt. Für einen Großteil der Kosten müssen ohnehin die übrigen Gesellschafter – eine Dienstleistungsgruppe, ein Kinobetreiber und die Sparkasse – aufkommen.
In Brandenburg oder Potsdam, in denen die Stadt ihre Theater in andere Gesellschaftsformen überführt hat, sieht es noch düsterer als in Schwerin aus. „In Brandenburg ist von dem ehemaligen Theater praktisch nicht mehr viel übrig“ , sagt Lutz Hermann, der Vorsitzende des Landesverbandes Ost des Deutschen Bühnenvereins. „Nachhaltige Einsparungen sind auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen worden.“
Hinter dem Kabinettsbeschluss, beim Staatstheater Cottbus und den Brandenburgischen Kunstsammlungen die Umwandlung in eine andere Gesellschaftsform prüfen zu lassen, sieht Hermann nur eine Absicht: „Das Land wird versuchen, die Zuweisungen zu kürzen und sich gleichzeitig der Obhutsverpflichtung für die Mitarbeiter zu entledigen.“ Die Beschäftigten seien dann keine Landesbediensteten mehr, sondern Angestellte einer GmbH, die günstigere Haustarife aushandeln könne. „Und bei Entlassungen steht dann die GmbH, nicht das Land im Kreuzfeuer der Kritik.“
Die Cottbuser SPD-Landtagsabgeordnete Heidemarie Konzack hegt dieselben Befürchtungen. „Das Ganze hat doch das Ziel, Geld zu sparen“ , sagt sie. „Das ist die gefährliche Komponente bei dem Vorhaben.“ Denn das Theater brauche weiterhin Zuschüsse in bisheriger Höhe, „egal ob als GmbH oder nicht“ . Weil die Anzahl der Plätze im Staatstheater vergleichsweise gering ist und auch die Kartenpreise wegen der Wirtschaftslage nicht in die Höhe zu treiben sind, „kann die Bühne gar nicht Einspielsummen wie in den alten Ländern bringen. Zehn Prozent des Etats wären schon toll.“
Jörg Rohde, der Vorsitzende des Fördervereins des Cottbuser Theaters, ist deshalb entsetzt. „Eine privatwirtschaftliche Lösung führt zwangsläufig in den Qualitätsruin, weil sie dazu zwingt, den Publikumsgeschmack der Mehrheit der Bürger zu befriedigen“ , erklärt er. „Denn wenn etwas nicht klappt, droht die Insolvenz, ist das Theater tot.“ Ein Qualitätsabsturz zerstöre aber den guten Ruf des Theaters.
Noch steht nicht fest, welche Rechtsform das Staatstheater und die Kunstsammlungen einmal haben werden. Für die parteilose Cottbuser Oberbürgermeisterin Karin Rätzel ist indes klar, „dass es strukturelle Veränderungen geben wird, die wir akzeptieren müssen. Wir werden keine Kraft für große Proteste aufwänden.“ Die Verantwortlichen fordert die Oberbürgermeisterin auf, „sich dem Problem zu stellen“ . „Die Geschäftsführung einer GmbH bekommt eine völlig andere Freiheit, erhält aber auch eine wesentlich höhere Eigenverantwortung“ , lobt sie. Das Land bleibe Gesellschafter. Und auch die Stadt habe die Rechenstifte schon gezückt.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Burkhardt Schöps stößt ins selbe Horn. „Man muss keine Angst vor anderen Rechtsformen haben“ , sagt er. „Es hätte schlimmer kommen können.“ Und der Forster SPD-Abgeordnete Dietmar Woidke erklärt: „Eine Umwandlung sagt noch nichts über Status oder Finanzierung aus. Sollten die Mittel für das Theater gekürzt werden, werden wir kurzfristig reagieren.“
Auch bei Heinz Nagler, dem Vorsitzenden des Fördervereins der Kunstsammlungen, überwiegt die Zuversicht. Das Wichtigste für ihn ist, dass es bei den Sammlungen offenbar jetzt nicht mehr um den Status als Landeseinrichtung geht. „Jetzt haben wir zwei Jahre Zeit, die wir auf eine gute vertragliche Ausgestaltung der Rechtsform verwenden müssen“ , erklärt Nagler, der an eine Stiftung denkt. Das Kapital dafür müsse aber das Land zur Verfügung stellen. „Deshalb muss auch der Status aufrechterhalten bleiben.“
Unterdessen warnt die brandenburgische Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) vor weiteren Einschnitten. Schon in diesem Jahr fährt das Land Brandenburg seinen Kultur-Etat um rund 18 Millionen Euro zurück. Weitere Kürzungen drohen für den Haushalt 2004.
Es bestehe die große Gefahr, dass die Kulturlandschaft des Landes zusammenbreche, einige Kommunen hätten ihre Ausgaben im kulturellen Bereich bereits um 75 Prozent gekürzt, sagt Wanka. Einsparungen will aber auch sie sich nicht verschließen. Im März entscheidet das Kabinett über Strukturänderungen.
Wanka schließt inzwischen die Auflösung eines Theaters in Brandenburg nicht mehr aus. „Wenn alle nur Hunger leiden, ist es besser, ein Theater zu schließen“ , sagt sie. Dabei sehe sie das Staatstheater Cottbus aber „außen vor“ .

Gymnasium bleibt erhalten
Beim Niedersorbischen Gymnasium in Cottbus ist eine Änderung der Rechtsform offenbar kein Thema. „Bei uns geht es darum, dass die Trägerschaft vom Land zur Stadt Cottbus oder zum Landkreis Spree-Neiße oder zu beiden verändert werden soll“ , erklärt Schuldirektor Jürgen Gehre.
Zu den zusätzlichen Aufgaben, die der besonderen Spezifik der Schule entspringen, solle eine Vereinbarung zwischen dem Land und den Trägern getroffen werden. „Die Existenz der Schule ist dadurch keineswegs gefährdet“ , so Gehre.