In höchst feierlichem Rahmen bekam der 55-jährige Oberlausitzer Stanislaw Tillich am Mittwochvormittag das Ticket für seine dritte Amtszeit als Ministerpräsident. Tillich bekam 74 von 125 Stimmen. Gegen den einzigen Kandidaten stimmten 50 Abgeordnete, einer enthielt sich.

Am Ende stand damit zwar eine deutliche Mehrheit für den Amtsinhaber im ersten Wahlgang. Aber es war auch klar, dass drei Stimmen aus dem insgesamt 77-köpfigen schwarz-roten Lager gegen ihn entschieden hatten.

Doch gewählt wurde geheim, und über Gründe für das Ausscheren wollte kaum einer spekulieren. Es überwog die Feierlichkeit. Gleich nach der Wahl brachte Tillich seine inzwischen dritte Vereidigung als Ministerpräsident hinter sich. Er schwor, sein Markenzeichen, deutsch und sorbisch. Allerdings musste er den Amtseid am Nachmittag ein zweites Mal sprechen. Landtagspräsident Matthias Rößler hatte beim Vorsprechen der Formel eine Zeile überlesen, und auch Tillich ließ sie aus. Um Rechtssicherheit zu erlangen, ging man auf Nummer sicher und wiederholte das Prozedere lieber.

Schon sechseinhalb Jahre regiert der 55-jährige CDU-Mann in Sachsen. Da lässt sich auch mit drei Abweichlern lässig umgehen: "Gewählt ist gewählt", stellte der Gewählte zufrieden fest. Dass "der eine oder andere nicht mit allem im Koalitionsvertrag einverstanden ist", sei bei demokratischen Parteien nicht ungewöhnlich. "Aber es ist eine übergroße Mehrheit und für die bin ich dankbar."

Mit der Wahl des MP begann am Mittwoch in Dresden auch die Opposition offiziell mit der Arbeit: Die Fraktionen von Linken, Grünen und AfD stimmten laut Ankündigung gegen Tillich.

Fehlt nur noch das Kabinett, dessen Plätze blieben in der zweiten Sitzung des Landtags kalt. Erst heute werden die insgesamt zehn Minister der neuen CDU-SPD-Koalition vereidigt. Namen sind bislang noch nicht bekannt, Gerüchte sind indes viele im Umlauf. Als gesichert kann gelten, dass SPD-Chef Martin Dulig das Ressort Wirtschaft, Arbeit und Verkehr übernimmt.

Wenn am heutigen Vormittag das Kabinett steht, meldet sich der neue Regierungschef erstmals offiziell zu Wort mit einer Regierungserklärung. Der programmatische Titel: "Sachsen ist unser Auftrag: Mit Kontinuität und Dynamik im Herzen Europas". Zur Kontinuität gehört, dass die CDU mit 39,4 Prozent bei der Landtagswahl am 31. August weiterhin den Ton angibt. Auch eine schwarz-rote Lebensabschnittsgemeinschaft ist für Sachsen nichts Neues - es gab bereits eine von 2005 bis 2009. Kontinuität auch an der Spitze des Landtags, wo weiterhin der Radebeuler CDU-Mann Matthias Rößler als Präsident den Hammer schwingt. Ihm zur Seite stehen die alten Stellvertreter, die CDU-Abgeordnete Andrea Dombois und der Linke Horst Wehner.

Den Part Dynamik will indes der kleine Koalitionspartner einbringen. Die SPD, die mit 12,4 Prozent aus der Landtagswahl ging, hat bereits eine umstrittene Neuerung eingebracht. Sie darf eine Ministerin für Gleichstellung und Integration stellen - den Posten gab es in der alten CDU-FDP-Koalition nicht. SPD-Chef Martin Dulig kündigte eine "neue politische Kultur im Umgang miteinander" an - bei den Koalitionsverhandlungen habe das auch schon gut geklappt.

Freundliche Töne auch aus Brandenburg, wo Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die historische und geografische Verbundenheit mit dem Nachbarn Sachsen betonte. Gemeinsam habe man viel vor, gerade bei der Regelung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen. "Das Pensum ist beträchtlich und verlangt den vollen Einsatz engagierter und ideenreicher Menschen", so Woidke.

Ideenreich zeigte sich im Dresdner Landtag AfD-Fraktionschefin Frauke Petry. Sie erfreute Tillich mit einem üppigen Kaktus.