Herr Heinze, wird das heutige Regionalforum der Energieregion Lausitz GmbH das letzte für diese Gesellschaft?
Für die Energieregion Lausitz schon, aber es wird nahtlos übernommen werden von der Wirtschaftsregion GmbH - für eine noch größere Lausitz. Nämlich auf brandenburgischer und sächsischer Seite. Für den vor uns stehenden energiewendebedingten Strukturwandel in der Region ist das unerlässlich.

Was ändert sich mit der Umbenennung in Wirtschaftsregion Lausitz GmbH?
Es wird nicht nur die Größe, sondern auch der Horizont erweitert werden. Spiegelbild unserer Forentätigkeit waren bisher erneuerbare Energien, Wissenschaft oder ländliche Entwicklung im Süden Brandenburgs. Jetzt wollen wir den Fokus auf den Strukturwandel legen, wenn er in den nächsten Jahren, Jahrzehnten zum Tragen kommt. Es geht darum, den Ausstieg aus der Kohle - wenn er denn kommt - zu begleiten durch Schaffung von Industriearbeitsplätzen und Stärkung des Mittelstandes - flankiert von Wissenschaftseinrichtungen wie der BTU Cottbus/Senftenberg und der Hochschule Zittau/Görlitz.

Gibt es auch eine überregionale Bedeutung?
Ja, indem wir als eine Region Lausitz über Ländergrenzen hinweg gegenüber dem Bund auftreten. Dabei ist klar: Wer den Ausstieg aus der Kohle haben will, der muss auch bereit sein, sich direkt unterstützend mit einzubringen und muss für den gewollten Strukturwandel auch bezahlen.

Soll die neue Gesellschaft diesen Prozess führen?
Unbedingt. Wir sind dann sechs Landkreise und das kreisfreie Cottbus, die die kommunale Ebene der Lausitz abbilden. Eine Region, wo Braunkohle noch abgebaut wird und wo Braunkohlesanierung abgeschlossen oder noch im Gange ist. Wir begreifen uns als Zwischenebene zwischen den Bundesländern hin zu den Städten und Kommunen, die direkt Betroffene sind und noch sein werden. Deshalb ist eine Instanz wichtig, die sich Gehör verschaffen kann und in der Lage ist, eine kraftvolle Wirtschaftsförderung für die gesamte Region durchzusetzen.

Was unterscheidet diese Gesellschaft von der länderübergreifenden Lausitzrunde?
Die Lausitzrunde ist ein länderübergreifendes, freiwilliges kommunales Bündnis von Städten, Gemeinden und Landkreisen ohne eigene Rechtsform. Jedoch ein Bindeglied zwischen Bürgern zu den regional agierenden Gesellschaften bis hin zur EU. Sie ist sozusagen das Sprachrohr der direkt Betroffenen, um politische Unterstützung einzufordern. Das Handwerkszeug für die Umsetzung als solches soll die Wirtschaftsregion sein. Wir wollten von Anfang an ein Instrument nutzen, das schon da ist. Wir bedienen uns also für den Strukturwandel der Landkreise als kommunale Selbstverwaltungskörperschaften - kreisangehörige Städte inbegriffen, organisiert und verbunden durch die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH.

Das Regionalforum fordert auch, digitale Strategien zur Chefsache zu machen. Was ist damit gemeint?

Es mag fast abgedroschen klingen, aber: Wir brauchen endlich schnelles Internet. Dazu gehört natürlich eine gut funktionierende Infrastruktur. Aber noch viel wichtiger sind die schnellen digitalen Datenautobahnen. Nur sie machen es uns möglich, Datenmengen zeitnah auszutauschen.

Das ist heute für Unternehmen entscheidend, sich hier anzusiedeln oder auch bestehen zu bleiben.

Der Bund hat dafür einen Vier-Milliarden-Fördertopf. . .
Ja, und der muss mit Komplementärmitteln des Landes abgerufen werden. Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sind da schon fleißig dabei. Dahme-Spreewald ist auf gutem Weg. Dort, wo es sich etwa für die Telekom nicht rechnet, müssen wir als Landkreise und Kommunen für die Vernetzung in der Fläche sorgen. Brandenburg muss Gas geben.

Mit Siegurd Heinze

sprach Christian Taubert

Zum Thema:
Das Regionalforum der Energieregion Lausitz dient traditionell als Plattform, um Impulse für die Entwicklung der Gesamtregion zu setzen und über neue, aktuell umgesetzte Projekte und Vorhaben zu informieren. Dazu kommen einmal im Jahr Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Kammern und Verbänden, Politik und Sozialverbänden zusammen.