Die deutsch-amerikanische Annäherung kommt nach den schweren Differenzen über den Irak-Krieg aus deutscher Sicht voran. Clement, der als erstes deutsches Regierungsmitglied seit Beginn der Verstimmung in Washington offiziell von Cheney empfangen wurde, zeigte sich sehr ermutigt. "Wir hatten ein äußerst offenes und sympathisches Gespräch", sagte Clement nach dem Gespräch am Dienstag (Ortszeit).
Eine besondere Botschaft von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) an Präsident George W. Bush habe er nicht im Gepäck gehabt. "Was zwischen dem Präsidenten und dem Kanzler zu besprechen ist, das tun sie selbst", sagte Clement. "Die beiden brauchen keinen Götterboten." Dazu sei etwa am Rande der 300-Jahr-Feiern in St. Peters-burg oder beim G-8-Gipfel in Evian Ende nächster Woche Gelegenheit. Allerdings hatte US-Außenminister Colin Powell bei seinem Besuch in Berlin vergangene Woche schon in-frage gestellt, ob für eine bilaterale Begegnung am Rande des Gipfels genügend Zeit sei.
Der Minister bezeichnete seine Gespräche mit allen US-Vertretern, darunter Handelsminister Donald Evans, Finanzminister John Snow und Notenbankchef Alan Greenspan, als äußerst freundschaftlich. "Ich bin sehr ermutigt, die Gesamttendenz ist sehr positiv", sagte Clement. Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen seien gut, sagte der Minister. "Aber nichts ist so gut, dass es nicht verbessert werden könnte." Die wenigen Problemfelder, Handelsstreitigkeiten etwa, müssten zügig beseitigt werden. "Alles, was jetzt verunsichern könnte, sollte aus dem Spielfeld geschafft werden, damit wir uns auf den Fortschritt konzentrieren können", sagte Clement.
Er sprach sich in diesem Zusammenhang für ein Ende des EU-Moratoriums auf genveränderte Organismen aus. Die USA hatten gerade bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf formell Beschwerde dagegen eingereicht. Im Gegenzug mahnte er die USA, die Schutzzölle auf Stahlprodukte und Steuervorteile für US-Unternehmen im Exportgeschäft abzubauen. Die WTO hatte dies als illegal beurteilt.
Clement hatte zuvor bei der Eröffnung des ersten "deutsch-amerikanischen Unternehmergipfels" zu einer Festigung der transatlantischen Freundschaft aufgerufen. Sie sei eine der wichtigsten Säulen der deutschen Außenpolitik. Mit Cheney sei er sich einig gewesen, dass es trotz aller Differenzen über die Irak-Politik jetzt darum gehe, nach vorn zu blicken. Die deutsche Wirtschaft stehe bereit, ihren Beitrag zum Wiederaufbau des Irak zu leisten.
Clement reiste von Washington aus zu Gesprächen mit Unternehmern und Bankern nach New York weiter. (dpa/roe)