Während seiner ganzen Zeit der Gefangenschaft von vierdreiviertel Jahren habe Kurnaz nur in grellem Neonlicht gelebt, das nie ausgeschaltet wurde. Selbst bei der Überstellung nach Deutschland am Donnerstag sei Kurnaz erniedrigt worden. Er sei an Händen und Füssen gefesselt an den Boden des Transportflugzeugs angekettet worden, seine Augen seien verklebt worden. "Gedemütigt, entwürdigt: in diesem Zustand wurde er dann den deutschen Behörden übergeben", sagte Docke.
Docke erhob auch schwere Vorwürfe gegen die ehemalige rot-grüne Bundesregierung. "Hier liegt eine Mitverantwortung vor." Seine anhaltenden Appelle, sich um den Fall zu kümmern, seien mit dem Hinweis auf fehlende Gesprächsbereitschaft der US-Seite zurückgewiesen worden.
Die Bundesregierung hat die Vorwürfe zurückgewiesen. "Die Bundesregierung hat sich nichts vorzuwerfen", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Steg betonte, die jetzt amtierende Regierung sei in den USA tätig geworden und habe die Freilassung des aus Bremen stammenden Mannes erreicht. Nach seinen Worten gibt es auch keinen Anlass, der rot-grünen Vorgängerregierung Versäumnisse vorzuhalten.
Petra Pau, Vizevorsitzende der Linksfraktion und Mitglied im Untersuchungsausschuss über BND-Aktivitäten im Ausland, forderte eine umfassende Aufklärung. Sie will wissen, ob deutsche Stellen an der Verschleppung von Kurnaz direkt oder indirekt beteiligt waren.
Nach seiner Freilassung kommt auf Kurnaz ein Ermittlungsverfahren zu. Die Ermittlungen wegen Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung würden wieder aufgenommen, sagte ein Sprecher des Bremer Justizsenats. Sie waren nur für die Zeit eingestellt worden, in der Kurnaz wegen seiner Inhaftierung für die deutschen Behörden nicht erreichbar war. (AFP/dpa/roe)