Ihr Sohn ist in dem Augenblick schon auf dem Weg in Stephanies Schule, um seiner Schwester von dem Urteil zu erzählen. "Sie wird ihm um den Hals fallen”, sagt Ina Rudolph. Schließlich hatte das Gericht keine Milde walten lassen, für den Angeklagten, der das Mädchen 36 unfassbare Tage von früh bis spät missbraucht, bedroht und erniedrigt hat. Wegen "der besonders verwerflichen Tatausführung und seines besonders gefühllosen Vorgehens”, so sagt der Richter, sei keine andere Strafe zu verantworten gewesen.
"Für Stephanie hat das Leben nun wieder einen Sinn”, sagt die Mutter und kämpft mit den Tränen. Ohne Sicherungsverwahrung, so habe es Stephanie ihr noch am Morgen gesagt, wäre das nicht so gewesen. Sogar einen Talisman hat Stephanie ihrer Mutter gegeben und sich als Glücksbringer zwei Elefanten eingesteckt.

Klare Richterworte
Während sie Interview um Interview geben, merkt man den Eltern an, welche Last von ihnen genommen ist. Joachim Rudolph erzählt auch von Stephanies letzter Tanzstunde, bei der sie das Mädchen beobachtet haben. "Da haben wir sie Lächeln gesehen”, sagt er. "Sie wird hoffentlich wieder so ein glückliches Mädchen wie die anderen.” Mit dem Mann, der ihre Tochter so grausam quälte, versuchten die Eltern im Gericht Blickkontakt aufzunehmen. Vergeblich. M. sieht regungslos vor sich hin. Kein Wunder.
Richter Maciejewski hat es an Klarheit nicht fehlen lassen. Fünf Wochen lang habe der Mann "ein Klima der Gewalt und Einschüchterung” verbreitet, er habe Stephanie an die Wand gekettet und ihr gedroht, den Kopf abzuschlagen. Er habe sie gefesselt und geknebelt in die enge Holzkiste gesperrt und die Musik aufgedreht. Das Mädchen habe unvorstellbare Todesangst gelitten, sagt der Richter.
Gleich nach der Entführung haben die Vergewaltigungen begonnen, jeden Tag habe der Angeklagte die massivsten und erniedrigensten Handlungen vorgenommen. Er habe seine sexuellen Bedürfnisse befriedigt, ohne auf das Mädchen Rücksicht zu nehmen, auch eine Schwangerschaft habe er gewollt in Kauf genommen. Das Mädchen habe ekelerregende Dinge erdulden müssen. Maciejewski: "Ihre Kindheit ist zerstört.” Doch trotz seiner schweren seelischen Abartigkeit sei der Täter voll schuldfähig. Und er bleibe eine Gefahr für die Allgemeinheit.

Weiter Streit um Therapiekosten
Allerdings habe der Mann - trotz der "nicht hinnehmbaren Vorverurteilung in vielen Medien" - Anspruch auf einen fairen Prozess, betonte Maciejewski und nahm auch Polizei gegen Angriffe in Schutz. Sie habe sorgfältig recherchiert und die Spuren mit großem Engagement verfolgt. Das sieht Anwalt Ulrich von Jeinsen jedoch anders, der dem Land eine Schadensersatzklage von 1,1 Millionen Euro angedroht hat. "Wir wollen aber lieber in Gesprächen eine Einigung”, sagen die Eltern. Darauf hofft auch das Justizministerium, das zu einer Beteiligung bereit ist: "Wir wollen eine Lösung, mit der alle zufrieden sein können und stehen mit der Familie in Kontakt”, sagt Sprecher Martin Marx. Das Ultimatum des Anwalts bis 22. Dezember sei dabei aber nicht gerade förderlich.
Vor allem geht es darum, wer die Therapien Stephanies und ihre Familie bezahlt- und welche. Die Familie möchte neben Angelika Schrodt von der "Netzwerk Psychologie AG” am Bodensee, die mit Stephanie bisher meist nur telefoniert hat, auch einen Psychologen in Dresden. Die Unfallkasse hat für diese Betreuung bereits Hilfe angeboten.