Welche Empfindungen haben Sie heute, 25 Jahre nach dem Tod Ihres Mannes?
Mit meiner eigenen Trauer bin ich fertig geworden, nicht jedoch damit, dass wir von Anfang an spüren mussten, dass man bei der Aufklärung des Todes meines Mannes wenig Engagement zeigte. Mir haben die Verunglimpfungen und Unwahrheiten, die über meinen Mann verbreitet wurden, sehr wehgetan sowie die Tatsache, dass alles, was er für das Land Schleswig-Holstein getan hat, verschwiegen wurde. Ich empfinde nach 25 Jahren ein Gefühl der Ohnmacht, da ich immer wieder feststellen muss, dass nicht wirklich alles getan wurde beziehungsweise wird, um die Affäre und den Tod aufzuklären. Trotzdem bin ich überzeugt, dass eines Tages die wahren Hintergründe über den Tod meines Mannes aufgedeckt werden.

Worauf stützt sich Ihre Überzeugung, dass Ihr Mann ermordet wurde und sich nicht selbst tötete?
Für mich besteht kein Zweifel, dass es Mord war. Mein Mann hatte am Kopf und im Mageninneren Verletzungen, die nicht von ihm stammen konnten. Das todbringende Medikament wurde ihm zugeführt, als er bewusstlos war. Es gibt ein Dutzend Ungereimtheiten aus dem Hotelzimmer und dem Hotel. Sie weisen in Richtung Mord. Mein Mann ist nicht ganz ohne Angst nach Genf geflogen. Aber er war entschlossen, um die Wahrheit zu kämpfen. Bereits auf Gran Canaria wusste er, dass Pfeiffer (der Referent hatte aus Barschels Staatskanzlei gegen den SPD-Kandidaten Björn Engholm intrigiert) schon Wochen vor der Landtagswahl Kontakt zur SPD gehabt hatte. Es gab keinen Grund für meinen Mann, Angst vor dem Untersuchungsausschuss oder vor Ermittlungen zu haben. Er hätte auch außerhalb der Politik seinen Weg gemacht. Er war Rechtsanwalt und Notar, hatte als Ministerpräsident a. D. nach seinem Ausscheiden aus dem Amt Anspruch auf eine sehr gute Pension. Sorgen um unsere Zukunft machte er sich nicht.

Müssten nach Ihrer Ansicht weitere Untersuchungen angestellt werden?
Die DNA-Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft. Alle, die mit den Asservaten meines Mannes im "Beau Rivage" in Berührung gekommen sein könnten, sollten eine DNA abgeben. Dies würde für weitere Klarheit sorgen. Der Personenkreis lässt sich sehr wohl eingrenzen. An Socken und Krawatte hat man doch im Regelfall keine fremde Berührung. Genau dort wurde aber fremde DNA gefunden. Es gibt Informationen und Hinweise, die erst nach 1998 erfolgten oder möglich waren. Ich fordere die Lübecker Staatsanwaltschaft auf, endlich diesen nachzugehen. Bekundungen, dass man grundsätzlich dazu bereit sei, reichen nicht. Es muss dann auch wirklich ermittelt werden.