Dieser Sonnabend in Neukieritzsch (Kreis Leipzig) war ein guter Tag für Horst Seehofer. Der 66-jährige CSU-Vorsitzende wurde gefeiert wie ein Heilsbringer. Ein guter Tag auch für Thomas de Maizière. Den 61-jährigen Bundesinnenminister mit Wahlkreis Meißen wählte der CDU-Parteitag mit 92,4 Prozent zum Beisitzer im Landesvorstand. Damit stellt sich die sächsische Union hinter den in Berlin umstrittenen Minister. "Wir können froh sein, dass es in diesen Zeiten einen Thomas de Maizière gibt, der Verantwortung übernimmt", meinte ein Landtagsabgeordneter. Auch der Chef der Landtagsfraktion, Frank Kupfer, gewann hier neue Kraft. Starke 91,3 Prozent der rund 200 Delegierten wählten das konservative Gesicht der sächsischen Union zum Stellvertreter.

Kein guter Tag dagegen für Stanislaw Tillich. Der 56-jährige Landesvorsitzende bekam wie erwartet das Ticket für weitere zwei Jahre. Aber ein Wahlergebnis von 83,3 Prozent schlägt eine schmerzhafte Kerbe in Tillichs Erfolgsbilanz. Ergebnisse um die 95 Prozent ist er gewohnt - hier stimmten 155 für ihn und 31 gegen ihn. Mager auch die 78,8 Prozent für Generalsekretär Michael Kretschmer, Tillichs rechte Hand im Landesverband. Ein Desaster, eine Watsche, eine "verdiente Quittung für seinen Schlingerkurs", so raunte es an den Steh tischen in der nüchternen Neukieritzscher Mehrzweckhalle. Doch nüchtern betrachtet war das zu erwarten gewesen. Die Stimmung im Landesverband ist seit Monaten aufgeheizt.

In der Asyldebatte klemmt die erfolgsverwöhnte Regierungspartei zwischen Baum und Borke. Bürgermeister und Landräte sind überfordert. In den Bürgersprechstunden werden Sorgen, Ängste und Vorurteile abgekippt. Das Vertrauen in bewährte Strukturen schwindet. Die AfD nagt am rechten CDU-Rand, Pegida marschiert wieder. Das "Wir schaffen das" der Bundeskanzlerin glauben immer weniger. Manche Abgeordnete spielen sich als ganz Harte auf und fordern harte Ansagen von der Parteispitze. Was aber von Stanislaw Tillich kam, war vielen zu weich. "Er hat im Landtag Positionen der Linken vertreten", sagt ein Delegierter, "das merken die Leute."

Der Parteitag solle die Dinge wieder ins Lot bringen. "Ordnung ist nicht alles, aber ohne Ordnung ist alles nichts" und "wir sind gerade für Menschen ansprechbar, die verängstigt sind", solche Sätze in Tillichs Rede belohnte die Basis mit Applaus. Der Ministerpräsident appellierte an den Teamgeist in der Partei. Er sprach sich für eine Obergrenze bei der Flüchtlingsaufnahme aus, für Grenzkontrollen und für Einschränkungen beim Familiennachzug. Asylbewerber, die beim Verfahren nicht mitwirkten, sollen "in zwei bis drei Wochen seine Entscheidung bekommen und ausreisen". Leistungen solle nur noch bekommen, wer sich in einer zentralen Kartei erfassen lasse. "Wir haben Gesetze, aber die müssen wir auch anwenden, um wieder Kontrolle über die Lage zu bekommen." Da bekam der Premier tosenden Applaus.

Doch den Ehrengast Horst Seehofer beschenkten die Delegierten noch reicher. "Unser Land darf sich nicht verändern", erklärte der am Pult. "Deutschland muss Deutschland bleiben." Und bekam gigantischen Applaus. Der CSU-Chef lobte sein Bayern als ein "Land der gelingenden Integration", in dessen Städten über 20 Prozent Migranten leben. Seehofer sendete scharfe Spitzen an SPD und Grüne, deren Länderchefs Beschlüsse mittragen würden, aber nicht nach außen vertreten. Und zarte Spitzen Richtung Bundeskanzlerin: Er brauche keinen Applaus vom politischen Gegner, "denn dann weiß ich, ich mach die falsche Politik". Am Ende hatte Seehofer zehn Minuten länger geredet als Tillich. Er wartete noch dessen Wiederwahl ab. Dann ab zurück nach Hause.

Kommentar: Tillich seehofert sich weg