Frau Höfken, wieso versucht die EU jetzt auch noch das Grillen auf Fußballplätzen zu regeln„
Die EU will im Bereich der Lebensmittelhygiene einheitliche Regeln schaffen. Das ist grundsätzlich richtig - schon aus Gründen des Wettbewerbs und wegen der Skandale der vergangenen Jahre. Jedoch entsteht dabei ein Abgrenzungsproblem zwischen dem industriellen gewerblichen und dem halbgewerblichen Bereich. Handwerker - Metzger und Bäcker - sind betroffen, wie auch große Verarbeiter und natürlich der Privatmann, der im ehrenamtlichen Einsatz mit Lebensmitteln auf Festen oder anderen Veranstaltungen umgeht. Es ist nicht wirklich definiert, was unter „gewerblich“ zu verstehen ist. Das ist das Problem.

Gerade für die Vereine in den unteren Ligen wird die Umsetzung der EU-Hygieneverordnung schwierig. Welchen Teil halten Sie für besonders problematisch“
Da wird theoretisch eine technische Ausstattung verlangt, die etwa ein Fußballsechstligist nicht bieten kann. Zudem sind alle gewerblichen Betriebe zur Durchführung einer Gefahrenanalyse und eines HACCP-Konzeptes verpflichtet. In diesem Konzept muss dokumentiert werden, dass alle notwendigen Hygienemaßnahmen durchgeführt werden. Dazu gehört, Handschuhe zu benutzen, Flächen zu desinfizieren und dies und jenes zu waschen - und das alles zu dokumentieren. Für einen kleinen Fußballverein wäre das ganz schwer. Denn dort sind Ehrenamtliche im Einsatz.

Welche Nachbesserungen wären sinnvoll„

Die Grauzone ist ein Problem. Die Akteure brauchen eindeutige Handlungsanleitungen, aus denen ersichtlich ist, was geht. Danach müsste sich jeder Akteur und jeder Kontrolleur richten - und nicht wie so oft nach Zufall entscheiden. Ich denke, mit der Umsetzung müssen sich die Bundesländer und die Kommunen noch einmal befassen und versuchen, mehr Rechtssicherheit zu schaffen.

Was muss getan werden, um die Gefahr von Lebensmittelvergiftungen zu bannen“
Um sauberes Arbeiten zu gewährleisten, muss es - wie vorgesehen - Schulungen geben, in denen einfache Handlungsanleitungen vermittelt werden. Aber eben nicht das gesamte Lebensmittelhygienerecht wie für einen Großbetrieb.

Ist die Umsetzung der Verordnung überhaupt kontrollierbar„

Diese Hygieneziele zu kontrollieren ist ganz schwer. Veterinärbehörden, Ordnungsämter, Gewerbeaufsicht, sie alle sind beteiligt. Einerseits ist die Kontrolle viel zu lasch, wie beim neuen Lebensmittelskandal in Bayern zu sehen ist. Und auf der anderen Seite sind die Überprüfungen nicht hilfreich genug für die Akteure, etwa beim Kindergartenausflug. Eine praxisnahe Kontrolle ist notwendig, wie sie die meisten Kontrolleure ja auch versuchen. Das heißt, vor Ort die Konditionen zu besprechen, die aber auch durch Gesetze gedeckt sind.

Mit dieser Hygieneverordnung hat die EU ihre Akzeptanz nicht gerade gestärkt.
Leider ist das grobe Raster, das die EU in vielen Fällen anlegt, für eine große Anzahl von Praxisbereichen ein Riesenproblem. Oft wird in Brüssel nicht durchdacht, welche Schwierigkeiten an der Basis bei der Umsetzung solch schwer verständlicher Verordnungen auftauchen können. Es wäre wichtig, grundsätzlich heranzugehen und den Betroffenen zu sagen: dies geht, statt zu sagen: dies geht nicht.

Einen Blick in die Zukunft gewagt - wird es bald keine Bratwurst auf kleinen Fußballplätzen mehr geben“
Ich denke nicht, dass es so weit kommt.

Mit ULRIKE HÖFKEN
sprach Christina Dirlich