Herr Krüger, wie bewerten Sie die Ergebnisse des Wissenschaftlichen Beirates?
Die Empfehlungen des Beirates für die Gründungsgremien sind aus unserer Sicht eine erstklassige Grundlage zur Profilierung der BTU Cottbus-Senftenberg. Hier ist nicht nur enorm viel Sachverstand von externen Professoren eingeflossen, sondern auch von Sachverständigen aus der Wirtschaft. In dieser Konzentriertheit ist unseres Erachtens noch keine neue Universität auf den Weg geschickt worden. Jetzt kommt es darauf an, was die Gründungsgremien aus den Empfehlungen machen.

Sind die Gründungsgremien der neuen BTU an die Empfehlungen des Beirates gebunden?
Sie sind völlig frei. Aber im luftleeren Raum agiert auch eine Hochschule nicht. Unsere Erwartungen sind schon, dass die Vorlagen des Beirates nicht nur mit dem Kommentar interessant beiseite gelegt werden. Sondern, dass die Empfehlungen gewisse Verbindlichkeiten für die Profilierung der neuen BTU haben.

Was meinen Sie damit konkret?
Die Forschung muss deutlich stärker werden, um das Ziel zu erreichen, Mitglied in der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu werden. Dabei geht es um die großen Themen Energie, Mensch, Umwelt. Und darum, anzupacken, was von der alten BTU vernachlässigt worden ist: etwa die Forschungen im Reallabor Lausitz mit der Bergbaufolgelandschaft und den vielen damit verbundenen Problemen.

Sie hatten auch Praktiker aus der Wirtschaft im Beirat. . .
Ja, und nicht nur aus dieser Richtung ist die Erwartung formuliert worden, dass es viel mehr Ausgründungen aus einer Technischen Universität geben muss. Das Innovationszentrum am Senftenberger Campus, das noch von der ehemaligen Hochschulleitung initiiert wurde, wird dabei als genau der richtige Schritt in diesem Bereich angesehen.

Sie empfehlen statt der zugesagten 228 Professorenstellen nur 150 - warum?
Erstens ist die Zahl zustande gekommen, weil wir mit anderen Hochschulen in der Größenordnung von 10 000 Studenten verglichen haben. Zweitens: Unserer Auffassung nach ist die absolute Zahl der Professoren nicht entscheidend. Vielmehr geht es um die Ausstattung der Lehrstühle und des wissenschaftlichen Mittelbaus. Ziel muss es sein - trotz Ausgewogenheit von Forschung und Lehre -, dass für die Uni-Professoren die Forschungsleistungen mehr in den Vordergrund rücken.

Ist die neue BTU ein Sparmodell für das Land?
Das ist kein Sparprogramm. Der BTU sind über zunächst fünf Jahre 74 Millionen Euro jährlich vom Land garantiert. Wie sie eingesetzt werden, ist Sache der neuen Gremien. Ob noch mehr Mittel notwendig sind, kann diskutiert werden. Es muss aber zuvor klar sein, was damit geschehen soll. Mehr Geld und mehr Personal führen nicht automatisch dazu, dass am Ende auch mehr Qualität heraus- kommt. Wenn man an dem Punkt angelangt ist, dass Stärken der Universität ausgebaut werden müssen, dann wäre das Land am Zuge. Zunächst ist jetzt aber die neue BTU in der Bringeschuld.

Mit Wolfgang Krüger

sprach Christian Taubert