Am Sonntag feiern die Christen auch in den Kirchen der Lausitz das Osterfest. Für Bischof Heinrich Bedford-Strohm ist es das wichtigste Fest der Christenheit. Der Glaube an die Auferstehung gebe den Menschen Kraft als Basis für Zuversicht im Leben.

Herr Bischof, was bedeutet Ihnen das Osterfest?
Bedford-Strohm Ostern ist das zentrale Fest der Christen: Christus ist auferstanden! Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das ist die große Hoffnungsbotschaft, die uns als Christen prägt und Menschen immer wieder aufs Neue im Innersten berührt.

Was bedeutet der Osterglaube im 21. Jahrhundert ganz konkret?
Bedford-Strohm Der Glaube an die Auferstehung gibt uns eine tiefe innere Kraft. Sie ist die Basis für eine Hoffnung und Zuversicht für unser persönliches Leben und eine Welt, die niemand zerstören kann. Auch all die populistischen Kräfte, die im Hinblick auf das politische Leben derzeit Sorgen machen.

Anfang 2015 haben Sie mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine Vereinbarung zum Kirchenasyl geschlossen, um enger zusammenzuarbeiten. Hat sich das bewährt?

Bedford-Strohm Das hat sich grundsätzlich bewährt. Sehr viele Fälle, die zu Kirchenasyl führten, konnten aufgrund von zusätzlich erstellten Unterlagen noch einmal überprüft werden. Oft führte das zu einer guten Lösung. In Bayern ist es allerdings so, dass der Staat jetzt Ermittlungsverfahren gegen inzwischen mindestens 17 Pfarrerinnen und Pfarrer eingeleitet hat, in deren Gemeinden Kirchenasyle stattfinden oder stattfanden. Dazu sage ich: Wir haben in Bayern insgesamt 65 Fälle von Kirchenasyl. Das ist eine im Verhältnis zu den Flüchtlingszahlen extrem geringe Zahl. Das Kirchenasyl wird immer eine ultima ratio bleiben. Deswegen verstehen wir die intensivierten Ermittlungsverfahren nicht.

Ist das ein Wahlkampfmanöver?
Bedford-Strohm Ich will über die Motive nicht spekulieren. Aber ich halte es nicht für das Hauptproblem unseres Staates, dass Menschen sich mit hohem Einsatz und viel Empathie für Flüchtlinge engagieren. Wenn diese Menschen jetzt offenbar als Gefährdung des Rechtsstaats angesehen werden, muss man sich über die Verhältnismäßigkeit der Mittel Gedanken machen. Kirchenasyle sind für mich schlicht der Versuch, eine jahrhundertealte Tradition aufzugreifen, um unbotmäßige Härten abzuwenden.

Können Flüchtlinge helfen, den Fachkräftemangel zu lösen?
Bedford-Strohm Ich denke nicht, dass die Flüchtlinge von heute schon gleich die Fachkräfte von morgen sind, sondern sie werden die Fachkräfte von übermorgen sein. Mein persönliches Beispiel ist ein Iraker, der meinen Vater im letzten Lebensjahr im Pflegeheim gepflegt hat. Der Mann hat eine Ausbildung zum Pflegehelfer erhalten und ist unserer ganzen Familie zum Segen geworden. Ich wünsche mir, dass es viele solcher Beispiele gibt.

Können Christen die AfD wählen?
Bedford-Strohm Die AfD ist eine Partei, in der sehr unterschiedliche Menschen zusammenarbeiten. Wer in dieser Partei aktiv ist, muss sich klar darüber sein, dass dort auch Einstellungen vertreten werden, die an nationalsozialistische Auffassungen erinnern. Wenn Stimmen in der AfD das Völkische rehabilitieren wollen, sollte das für alle Menschen, die so nicht denken, ein Weckruf sein. Denn wer sich nicht in aller Entschiedenheit davon distanziert, verleiht solchen Auffassungen Legitimität.

Müssen Björn Höcke und Alexander Gauland Buße tun?
Bedford-Strohm Die Äußerungen von Herrn Höcke zur Erinnerungskultur sind aus meiner Sicht skandalös gewesen und widersprechen allem, was die Grundorientierung der evangelischen Kirche ausmacht.

Könnte so jemand noch Mitglied der evangelischen Kirche sein?
Bedford-Strohm Nationalismus, der sich gegen andere wendet, ist unvereinbar mit dem christlichen Glauben.

Sie haben das Reformationsjubiläum ja schon angesprochen. Wann ist das Jubiläum eigentlich für Sie ein Erfolg?
Bedford-Strohm Für mich ist es jetzt schon ein großer Erfolg. Die Resonanz ist über alle Maßen groß: So ist die Lutherbibel 2017 in einem Umfang verkauft worden, den vorher niemand erwartet hat. Das ist höchst erfreulich, weil es zeigt, dass ein Buch mit tiefen Grundorientierungen wie die Bibel heute im privaten wie im öffentlichen Leben höchst gefragt wird. Über sieben Millionen Menschen haben neulich den Film "Katharina Luther" gesehen, doppelt so viel wie sonst Filme auf dem Sendeplatz. Und ein kleiner Indikator ist auch die Playmobil-Figur von Martin Luther: Inzwischen ist sie mit mehr als 750 000 Exemplaren die am meisten verkaufte Playmobil-Figur überhaupt.

Was soll denn in diesem Jahr konkret vermittelt werden? Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Inhalte des Reformationsjubiläums?
Bedford-Strohm Das Zentrum ist Christus selbst. 2017 soll ein großes Christusfest sein. Ich habe das immer mit Martin Luther selbst begründet: Martin Luther wollte Christus neu entdecken. Die Reformation war zunächst einmal eine große Frömmigkeitsbewegung. Deswegen ist es im Sinne Luthers, wenn wir das Reformationsjubiläum heute als Christusfest feiern.

Was hat die Kirche denn 2018 vor?
Bedford-Strohm Natürlich muss es darum gehen, dass wir die Impulse von 2017 nachhaltig machen und weiter tragen. Die großen christlichen Kirchen müssen weitere Schritte tun, um die Einheit in versöhnter Verschiedenheit sichtbar zu machen. Die theologische Arbeit an den Themen, die verhindern, dass wir gemeinsames Abendmahl feiern, ist da auf der Tagesordnung. Aber auch strukturelle Fragestellungen werden auf der Tagesordnung sein: Wie können wir unsere Kirche so weiterentwickeln, dass sie unter veränderten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen das Evangelium weiterzugeben vermag und selbst ausstrahlt, wovon sie spricht?

Mit Heinrich Bedford-Strohm

sprach Benjamin Lassiwe