Was meine persönliche Situation angeht: Natürlich ist das ein Einstieg, der nicht ganz gewöhnlich ist. Da habe ich schon ganz gut zu tun - und natürlich bewegt mich auch das Schicksal der Häftlinge.

Haben Sie denn mit den hungerstreikenden Häftlingen einmal persönlich gesprochen?
I ch selbst habe nicht mit ihnen gesprochen, vor allem wegen der Sprachprobleme, die es gibt. Aber ich habe mir auch gesagt: Da lasse ich besser die Profis ran. Ich habe dafür gesorgt, dass sich Psychologen mit Dolmetschern um die Häftlinge kümmern und zu klären versuchen, ob es noch einen anderen Weg als den des Hungerstreiks gibt .

Und, gibt es noch andere Wege?
Wenn Sie mich als Juristen und Beamten fragen, kann ich Ihnen nur die Antwort geben, dass es immer einen Rechtsweg gibt. Als Mensch kann ich aber auch verstehen, dass Betroffene mit staatlichen Entscheidungen nicht einverstanden sind. Aber deswegen sein Leben aufs Spiel zu setzen, das steht wohl in keinem Verhältnis zu dem, was den Betroffenen im Einzelfall droht.

Es gibt keinen rechtsfreien Raum in Eisenhüttenstadt?

In Eisenhüttenstadt sind mehrere Behörden tätig. Bundespolizei, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die verschiedenen Gerichte und eben auch die Zentrale Ausländerbehörde. Wir vollziehen hier Bundes- und europäisches Recht. Was nicht stimmt, ist, dass die Asylbewerber hier völlig chancenlos seien. Es gibt den Rechtsstaat, er funktioniert nach meiner Überzeugung auch. Und die Flüchtlinge sind nicht schutzlos. Ein rechtsfreier Raum? Das hat für mich etwas von Verschwörungstheorie. Es gibt für jede Behörde eine Aufsichtsbehörde. Es gibt Landesparlamente, die Untersuchungsausschüsse einsetzen können.