Wie daraus Wirtschaftswachstum entstehen soll - ohne Wachstum keine Schuldentragfähigkeit -, bleibt ein Geheimnis der Gläubiger. Wenn ich zum Beispiel die Mehrwertsteuer erhöhe, dann schwächt das die Wirtschaft, und der Staat hat am Ende noch weniger Einnahmen als zuvor.

Also hat Tsipras recht daran getan, die Reformauflagen abzulehnen?
Nein, sein Krisenmanagement ist miserabel. Athen hat nie ein Konzept auf den Tisch gelegt, wie die grundlegenden Strukturreformen für mehr Wachstum aussehen sollen.

Niemand könne Griechenland aus dem Euro drängen, heißt es in Athen. Stimmt das?
Nein. Sobald die Europäische Zentralbank (EZB) die griechischen Geldinstitute nicht mehr länger mit Notkrediten versorgen würde, ist das Spiel vorbei. Die EZB hat diese Hilfen ja immer an ein bestehendes Reformprogramm geknüpft, das nun wegfallen wird.

Was bedeutet das für die Stabilität des Euro-Raums?
Kurzfristig werden sich die Auswirkungen in Grenzen halten. Mittelfristig führt der Austritt Griechenlands dazu, dass die Währungsunion massiv beschädigt wird. Denn sobald in einem weiteren Euro-Mitgliedsland größere wirtschaftliche Probleme auftreten, wird man in Zukunft auf dessen Austritt aus der Währungsunion spekulieren.

Was kommt jetzt auf die deutschen Steuerzahler zu?
Da wird es keine zusätzlichen Belastungen geben. Die deutschen Kredite für Athen sind bis weit in die 2020er-Jahre hinein gestreckt worden. Finanzielle Hilfen wird es allerdings weiter geben müssen. Schon aus humanitärer Sicht kann man ja nicht zulassen, dass zum Beispiel die medizinische Versorgung in Griechenland zusammenbricht.

Mit dem Wirtschaftsweisen

Peter Bofinger sprach Stefan Vetter