Papst Franziskus will kommen. Wann und wohin, weiß noch keiner. Aber womöglich im nächsten Jahr steht ein Deutschland-Besuch an. Sachsens Regierungschef hat ihn auch gleich nach Sachsen eingeladen. Der Katholikentag 2016 in Leipzig wäre doch ein passender Anlass, meinte Tillich. Seine Heiligkeit legt sich noch nicht fest, aber schaut mal.

Eins plus Fünf plus Eins

Eine halbe Stunde nahm sich das Oberhaupt der katholischen Kirche am gestrigen Donnerstag Zeit für Stanislaw Tillich und dessen Delegation. Ein "sehr tiefgründiges Gespräch" habe man geführt, berichtete Tillich hinterher vor dem Petersdom. Eine solche Privataudienz bekommen für gewöhnlich Staatsoberhäupter und Regierungschefs, aber auch normale Menschen, die der Papst interessant findet. Hierbei gilt strengstens die Regel Eins plus Fünf plus Eins: Ein Papst, fünf Gäste und - wenn nötig - ein Übersetzer. Doch der 78-jährige Jorge Mario Bergoglio gilt als ein Papst, der es nicht so genau nimmt mit dem Protokoll. Der Gast fährt ein in den Innenhof des Vatikans, wird dort empfangen vom Präfekt, sozusagen dem Kanzleichef des Papstes. Dann geht es unter Begleitung von Schweizergardisten in einer Prozession in die Bibliothek. Zuerst darf der Audienzgast rein, dann der Rest der Delegation. Während der Audienz wird gestanden. Kein Tee, keine Kekse, nur Gespräch.

Der Papst, der etwas Deutsch spricht, hat laut Tillichs Bericht gleich von der Flüchtlingskrise angefangen. Man sprach über Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit. Man war sich einig, "dass die westlichen Demokratien dafür sorgen müssen, dass in den Herkunftsregionen Frieden herrscht und die wirtschaftlichen Bedingungen verbessert werden".

Vatikan-Hierarchie irritiert

Franziskus hat es gerade selbst nicht leicht. Sein unkomplizierter Stil kommt zwar beim Publikum gut an, irritiert aber einige in der Vatikan-Hierarchie. Die Reaktionen auf die kürzlich abgeschlossene Familiensynode sind gemischt. Für die einen ist der lächelnde Argentinier im Apostolischen Palast ein Hoffnungsträger, für die anderen ein machtloser Amtsträger. Dann noch die "Vatileaks"-Affäre, die dieser Tage die römischen Zeitungen füllt. Es geht um Geheimnisverrat aus dem engsten Kreis des seit 2013 amtierenden Papstes.

Sachsens Premier ist jedenfalls begeistert: "Es macht wieder Spaß, Katholik zu sein", sagt er. Nach dem üblichen Vier-Augen-Gespräch in der päpstlichen Bibliothek durfte auch die Delegation mit rein. Darunter Tillichs Ehefrau Veronika und Frank Kupfer, Chef der CDU-Landtagsfraktion. Hinterher wurden Geschenke getauscht. Tillich schenkte eine Chronik über die Kirche in Sachsen seit der Wende. Der Papst verschenkt Medaillen und Rosenkränze. Einen Rosenkranz bekam auch Frank Kupfer, obwohl der evangelisch ist.