Nur noch wenige Stunden haben die Kirchenmaler und Vergolder Zeit, einem Teil des Historischen Grünen Gewölbe den letzten Schliff zu verpassen. Morgen wird die Schatzkammer Augusts des Starken nach über 60 Jahren Unterbrechung feierlich wiedereröffnet. "Man sieht ab und zu noch Fehler. Es ist nie perfekt", sagt Kirchenmaler André Voltére von der Restaurierungswerkstätte Steffen Schmalhofer mit Blick auf die vollendeten Werke.

In altem Glanz
Voltére und seine Kollegen haben fast zwei Jahre ausschließlich für das Gewölbe gearbeitet. Das Team der Kirchenmaler- und Restaurierungswerkstätte habe es sich zur Aufgabe gemacht, Kulturgut in altem Glanz wiedererstehen zu lassen. Neben Holzleisten, Panelen und Konsolen an den Spiegelwänden polieren die Vergolder unter anderem auch antike Rehbeintische aus Lindenholz wieder auf Hochglanz. Aber auch Malereien an historischen Türwappen gehören zu ihren Aufgaben. Gerade kurz vor der Eröffnung verbringen sie jeden Tag im Residenzschloss, der Heimat der zehn Prachtkabinette. "Wenn Bundeskanzlerin Merkel kommt, dann können es schon ein paar Überstunden mehr werden", betont Voltére.
Für ihn sei der Auftrag ein "ziemliches Highlight" gewesen. Allerdings werden die fertiggestellten Räume für ihn "keine wirkliche Überraschung" mehr sein. "Wenn man täglich damit arbeitet, sieht man, wie es wächst", erklärt der 41-Jährige. Besonders gefiel ihm die Zusammenarbeit mit der Elite der übrigen Restauratoren. Mit jeder Leiste und Konsole mehr habe er von den historischen Techniken gelernt.
Auch wenn Voltére seit seiner Ausbildung zum Kirchenmaler 1981 sich ausgiebig mit Kunstgeschichte befasst habe, sei es immer wieder interessant, neue Techniken auszuprobieren. "Das ist das Schöne am Kunsthandwerk. Man weiß nie alles", sagt der Kirchenmaler. Je mehr er lernte, umso lockerer wurde er beim Restaurieren. Nur so bekomme er das Gefühl, eine "stimmige Sache" zu erarbeiten, erklärt Voltére die Schwierigkeit bei alten Techniken wie Polimentvergoldung und Temperamalerei. Das endgültige Ergebnis hätte er sich aber anders vorgestellt. Dass barocke Kunst so lebendig und frei sei könne, hätte der 41-Jährige nicht gedacht.
Das Schwierigste bei der Vergoldung sei vor allem, den historischen Zustand zu bewahren, fügt sein Kollege Andreas Klimmer hinzu. "Gerade die gealterte Goldfläche wird als ästhetisch angesehen", sagt er. Das verlange "eine hohe Sensibilität beim Vergolden". Jedoch sei die Motivation, junge Menschen für diese umfangreichen Techniken auszubilden, hierzulande gering, beklagte Klimmer zugleich. Nach Angaben des Sächsischen Handwerkstages gibt es gerade elf Vergolder im Freistaat.

Feinarbeiten im Museum
Größtenteils arbeiteten die Vergolder in der Werkstatt. Die Feinarbeiten geschahen vor Ort im Museum, wo die Lichtverhältnisse des Saals berücksichtigt werden müssen. Gerade das Arbeiten in solch einem klassischen Ambiente sei für Voltére eine tolle Erfahrung gewesen. Dass er morgen bei der Eröffnung nicht selbst mit vor Ort dabei sein darf, störe ihn weniger. Er habe seinen Teil getan und gebe ihn jetzt gern frei. "Mit jedem Pinselstrich bin ich doch präsentiert", hebt er stolz und zufrieden hervor.