Immer mehr Geldinstitute drehen an der Gebührenschraube. Schon 40 Sparkassen verlangen an den eigenen Automaten ein Entgelt fürs Bargeldabheben. Die RUNDSCHAU sprach dazu mit Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums.

Herr Gerke, ausgerechnet die Sparkassen langen jetzt noch kräftiger zu. Dabei stehen die doch gar nicht so schlecht da, oder?
Gerke Ja, aber das sind Gesamtzahlen. Manche Sparkassen geraten durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank allmählich in Schwierigkeiten, weil sie kein Geld mehr verdienen. Sie wollen ihren Kunden keine Negativzinsen berechnen, das fiele noch mehr auf. Also konzentrieren sie sich auf höhere Gebühren.

Noch vor einem halben Jahr hatte Sparkassenverbands-Chef Fahrenschon Automaten-Gebühren für die eigene Kundschaft zum Tabu erklärt. Was ist jetzt passiert?
Gerke Nun, Herr Fahrenschon hat sich mit seiner Politik bei den doch sehr selbstständigen Sparkassen nicht durchsetzen können. Gerade das zeigt aber, wie einige Sparkassen in die Bredouille gekommen sind.

Wird das Automaten-Beispiel der Sparkassen Schule machen?
Gerke Mit Sicherheit wird das Schule machen. Denn bei anderen Geldinstituten sieht es wirtschaftlich ähnlich problematisch aus. Und auch dort wurde ja schon an der Gebührenschraube gedreht, zum Beispiel bei Überweisungen und anderen Service-Leistungen. Die Sparkassen gehen nun allerdings in einen besonders sensiblen Bereich. Und es trifft gerade die Kleinsparer.

Was empfehlen Sie den Kunden?
Gerke Man kann ihnen nur den Rat geben, sich die Gebührenmodelle ihres Geldinstituts genau anzuschauen und dabei nicht nur auf das Entgelt für den Automaten zu achten. Und wem es zu teuer ist, der sollte die Bank wechseln.

Manche dürften sich aber auch mehr Geld zu Hause hinlegen, um Abhebegebühren zu sparen.
Gerke Davon kann man nur abraten, denn auch Einbrecher würden darauf reagieren, und am Ende ist womöglich alles weg. Es gibt immer noch viele Banken, die solche Automaten-Gebühren nicht verlangen. Da muss der Kunde flexibel sein. Klar ist aber auch, dass vor allem ältere Menschen sich damit sehr schwer tun dürften. Auch, weil vielen einfach die Möglichkeit für einen Wechsel fehlt.

In den USA stehen die Zeichen wieder auf Zinserhöhungen. Ein Hoffnungsschimmer auch für Bankkunden in Deutschland?
Gerke Europa ist noch nicht so weit, wie es die USA sind. Sparer müssen aber leider davon ausgehen, dass ihnen auch das keinen Nutzen bringt. Denn wenn die Zinsen steigen, wird sich auch die Inflation erhöhen, sodass sie real weiter Geld verlieren. Da kann es fast egal sein, ob man keinen Zins bekommt für relativ stabiles Geld oder ein bisschen Zins für weniger stabiles Geld.

Und da ist wirklich keine Entspannung in Sicht?
Gerke Nein, im Gegenteil. Die Interessen des Staates, sich günstig zu finanzieren und dem Bürger indirekt das Geld abzuluchsen, sind so groß, dass die Zukunft gegen die Altersvorsorge und das Sparen spricht. Viele Sparkassen übrigens haben ihr Geld auch in Bundesanleihen angelegt, die jetzt allmählich auslaufen. Damit wird der Druck, Gebühren zu erheben, noch viel höher, weil sie ihr Geld nicht mehr verzinslich anlegen können. Jedenfalls dann nicht, wenn das Geld sicher angelegt sein soll.

Mit Wolfgang Gerke

sprach Stefan Vetter