Die sächsische SPD, die im Freistaat seit 2009 in die Opposition verbannt ist, sieht sich plötzlich mit der CDU auf Augenhöhe. Denn Parteichef Martin Dulig sitzt in der großen Verhandlungskommission zur Ausarbeitung eines schwarz-roten Koalitionsvertrages Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) gegenüber. Er wolle als Widerpart zum Regierungschef für gesetzliche Mindestlöhne und eine Angleichung der Renten von Ost und West kämpfen. "Da bin ich klar auf der anderen Seite", erklärt Dulig.

Tillich hat von der Landespartei noch Verteidigungsminister Lothar de Maiziére und Generalsekretär Michael Kretschmer (leitet die AG Kultur und Medien) in der großen Runde an seiner Seite. Aus Brandenburg kommt Katherina Reiche, die die Arbeitsgruppe Umwelt und Landwirtschaft leitet, hinzu. Von Brandenburgs SPD bringen hingegen Bundestags-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Dietmar Woidke ihre Kompetenz mit in die Verhandlungen ein. Woidke vertritt zudem die Interessen des Energielandes Brandenburg in der entsprechenden Arbeitsgruppe, der auch Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) angehört.

Dass die beiden Länder in Sachen Energieversorgung und Strompreise - auch in Bezug auf die Braunkohle als Brückentechnologie - auf einer Wellenlänge funken, lässt sich denken. Dagegen dürfte der Brandenburger CDU-Landeschef Michael Schierack in der Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege, der auch die Hoyerswerdaer Bundestagsabgeordnete Maria Michalk und Sachsens Sozialministerin Christiane Clauß angehören, mit Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske (SPD) so manchen Strauß ausfechten. Der Finsterwalder Bundestagsabgeordnete Michael Stübgen (CDU) hingegen ist als Europa-Experte in der Unterarbeitsgruppe Bankenregulierung/Euro entsandt. Und Sachsens SPD hat mit der Oberbürgermeisterin von Chemnitz, Barbara Ludwig, eine Kommunalpolitikerin in die Bund-Länder-Arbeitsgruppe (mit Finanzen und Haushalt) entsandt.

Dass Sachsens CDU mit 13 Vertretern in den Verhandlungen vertreten ist (Brandenburgs CDU: drei; SPD in Brandenburg: fünf; Sachsens SPD: drei), hängt für Generalsekretär Michael Kretschmer nicht mit dem guten Wahlergebnis zusammen. "Hier geht es um kompetente Leute, die einen guten Koalitionsvertrag aushandeln sollen", sagt Kretschmer gegenüber der RUNDSCHAU.

Dem stimmt auch Martin Dulig zu: "Es geht hier nicht um Wahlkampf."