Herr Woidke, Sie sagen jetzt, dass es Ihr größter Fehler war, mit Dieter Friese zur Landratswahl angetreten zu sein, er sei dafür nicht geeignet. Ist ihnen das nie früher aufgefallen?
Das ist eine lange Geschichte, die schon 2008 nach der Kommunalwahl anfing. Damals hat sich schon deutlich gezeigt, dass Friese in der Bevölkerung nicht den großen Rückhalt hatte. Es gab dann später Gespräche mit der CDU und auch mit der Linken zu den kommenden Landratswahlen. Bei beiden war klar, dass Friese nicht akzeptiert würde.Warum ist Dieter Friese dann trotzdem im Herbst 2009 als Kandidat für den Landratsposten aufgestellt worden?
Wir hatten zur selben Zeit Landtags- und Bundestagswahl. Unsere Personaldecke in Spree-Neiße ist dünn. Friese hat damals gedroht, der SPD zu schaden, wenn er nicht nominiert würde. Seine menschlichen Defizite hatten sich damals noch nicht so deutlich gezeigt wie jetzt. Es geht Friese immer nur um Friese. Fachlich ist er vielleicht geeignet, menschlich jedoch nicht.Hat denn die Linke jetzt nach der gescheiterten Direktwahl nicht auch Druck auf die SPD ausgeübt, Friese zurückzuziehen? Mitte Januar hatten Sie noch öffentlich das Festhalten an Friese verkündet?
Wir mussten verhandeln. Die einzige Möglichkeit waren die Linken, weil die keinen eigenen Kandidaten mehr hatten. Die haben klar gesagt, nicht mit Friese. Dass unsere Einschätzung richtig war und Friese keine Mehrheit mehr im Kreistag hinter sich hatte, hat ja auch die Abstimmung deutlich gezeigt. Hätte An dreas Petzold (der neue SPD-Kandidat) im ersten Wahlgang weniger Stimmen als Friese bekommen, wäre ich sofort als Unterbezirksvorsitzender zurückgetreten.Wie konnte Dieter Friese mit den von Ihnen beschriebenen großen menschlichen Defiziten 15 Jahre lang Landrat in Spree-Neiße sein?
Man lernt Menschen erst in der Niederlage richtig kennen. Wenn es nicht so läuft wie geplant, dann lassen sie ihre Maske fallen. Frieses Arroganz war ja bekannt. Aber so viel Ich-Bezogenheit und Undankbarkeit gegenüber den Menschen, die ihn all die Jahre getragen haben, hätte ich ihm nicht zugetraut.Sie wollen jetzt in die Ortsvereine des Unterbezirkes gehen und über die Hintergründe der Kandidatenwahl informieren. Was werden Sie dort erzählen?
Ich werde die ganze Entwicklung darstellen, auch die vielen Gespräche, die wir als Unterbezirksvorstand mit Dieter Friese geführt haben. Er war immer informiert, nichts ist hinter seinem Rücken passiert.SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness hat der CDU vorgeworfen, ihr Landrat Harald Altekrüger habe sich auch von den beiden NPD-Kreistagsabgeordneten wählen lassen. Aber keine Partei kann Stimmen für ihren Kandidaten in geheimer Abstimmung verhindern. Wie redlich ist denn dieser Vorwurf?
Die Vermutung liegt nahe, da Altekrüger zwei Stimmen Vorsprung hatte und die NPD zwei Stimmen besitzt. Aber ich bin dagegen, die Diskussion fortzusetzen. Die Wahl ist entschieden.Welche Zukunft hat Ex-Landrat Dieter Friese noch in der SPD? Sollte er die Partei verlassen?
Das muss Dieter Friese selbst entscheiden. Eine ruhende Mitgliedschaft, von der er gesprochen hat, gibt es nicht. Wenn er Sozialdemokrat ist, wie er behauptet, dann bleibt er in der SPD. Ich persönlich bin gegen einen Parteiausschluss.Mit Dietmar Woidke sprach Simone Wendler